[Vegan Monday] Gründe, weshalb man auf Milch und Milchprodukte verzichten sollte - Part I: aus tierethischer Sicht.

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19 Dezember 2016

Erst in der letzten Woche habe ich euch im Rahmen der Freitagskolumne davon erzählt, dass ich nun Schritt für den Schritt den Weg in ein veganes Leben beschreiten möchte und ich euch auf genau diesem Weg auch gerne mitnehmen mag. 

Man kann so ein Lebenskonzept natürlich von heute auf morgen radikal starten oder sich aufgrund von jahrelanger Gewöhnung erst langsam an viele Aspekte heran tasten. Meistens ist der erste Punkt nach der persönlichen Entscheidung, mit dem man sich befassen muss, erstmal die Umwelt um einen herum. Man hat eventuell sogar viele Vegetarier und Veganer im Freundeskreis, die sich durch solch eine Neuigkeit ganz und gar nicht vor den Kopf gestoßen fühlen. Es gibt aber auch viele Menschen, die dem ganzen krass negativ gegenüber stehen oder eben auch Menschen, die nicht interessiert sind. Das Leben meist so hinnehmen, wie es zu sein scheint. Sich den Normen hingeben und nichts hinterfragen. Vor drei Wochen saß ich mit einer Kollegin in der Bahn und erzählte ihr davon, wie mich ein Freund nun doch sehr dazu inspiriert hat, mich vegan zu ernähren und zu leben. "Ist er selbst vegan?" "Ja." "Oh. Ich verstehe diese Menschen nicht. Ihr macht euch das Leben unnötig schwer. Milch muss raus aus den Tieren, ist doch gut, wenn wir die trinken. Und gesund." "So einfach ist das eben nicht."



Genau, so einfach ist das wirklich nicht. Grundsätzlich möchte ich vorab erwähnen, dass die Problematiken nicht beim reinen Konsum an sich liegen (wobei das auch schon fraglich an sich ist). Das Problem ist der weltweite Umgang, die Masse, die Menschen - so wie es das wohl bei den meisten Dingen in unserer heutigen Gesellschaft ist. Zudem soll das hier natürlich weder ein Leitfaden, noch eine Moralpredigt sein - sondern viel eher ein Verständnis dafür liefern, weshalb man den Gedanken in Erwägung zieht, auf Milch und weitere Milchprodukte zu verzichten.


Die glückliche Kuh auf der Weide, die nur darauf wartet, vom Milchbauern gemolken zu werden, ist natürlich nicht real. Dass wir hier von Grund auf von einer Massentierhaltung sprechen, das sollte auch für die Milchproduktion ersichtlich sein; da steht sie der Fleischproduktion in nichts nach. Doch selbst wenn wir den "humaneren" Weg betrachten und die etwas freiere Kuh anschauen, dann ändert das nichts an den folgenden Tatsachen. Wann gibt eine Kuh Milch? Nun, da gibt es keinerlei Unterschied zu uns (weiblichen) Menschen oder anderen Säugetieren - wenn sie schwanger ist oder eben auch kurz nach der Schwangerschaft. Keine Schwangerschaft, keine Milch. So simpel ist das. Man darf also davon ausgehen, dass eine Kuh ein Kalb kriegt, das mit just dieser Milch gefüttert werden soll. Was sie aber logischerweise nicht wird, weil diese Milch ja für den Kunden, den Menschen, vorgeplant ist. In anderen Worten ist es zusammen zu fassen: Damit diese Milch nicht weg kommt, wird direkt nach der Kalbung das Kind von der Mutter getrennt und separat gehalten. Eine Mutter-Kind-Bindung ist weder gewünscht, noch erstrebenswert, noch in irgendeiner Form relevant, denn hier steht lediglich der Nutzen im Vordergrund. Während die Mutterkuh ab diesem Moment permanent maschinell gemolken wird, damit der Mensch seine Milch trinken kann (ist das nicht ein absurder Gedanke? die Muttermilch eines anderen Wesens zu trinken?), während das separierte Kalb aus Kostengründen mit Molkepulver-Mixturen gefüttert wird. Ein weibliches Kalb hat hier noch das große Glück, ebenso auf eine Karriere als Milchlieferant zu hoffen - die männlichen Kälber, die innerhalb der Milchproduktion geboren werden, sind ein irrelevanter Faktor, der an die Fleischindustrie weiter verkauft wird. 

Um den Milchfluss nicht zu unterbrechen, wird eine Kuh dauerhaft geschwängert. Ist das eine Kalb geboren, so wird sie durch künstliche Befruchtung wieder zur Milchproduktion angeregt - dauerschwanger, dauermilchig, geil. Schon allein das psychische Szenario ist in meinen Augen schlimm genug; stell dir vor, du bringst jedes Jahr ein Kind zur Welt, das du lieben würdest und es wir dir entrissen. Jedes Jahr ein weiteres Kind. Du hörst dieses Kind schreien. Du spürst die Angst deines Kindes - aber du kannst nichts dagegen machen. Ein krasses Szenario, oder?

Aber führen wir das mal weiter: stell dir vor, du bist permanent schwanger. Immer und immer wieder. Dein Körper ist ausgelaugt und das garantiert nach einer nicht allzu langer Zeit. Irgendwann kannst du nicht mehr. Willst nicht mehr. Immer wieder Schmerzen, bis zur Unendlichkeit. Macht keine Freude, nicht wahr? Aber genau das ist es, was in der Milchindustrie passiert. Eine Kuh, die sonst durchschnittlich 20 bis 25 Jahre alt werden könnte, wird hier im Normalfall nicht älter als 6 Jahre und landet so oder so auf ihrem letzten Weg beim Schlachter. Zu ausgelaugt, um noch mehr Milch geben oder um überhaupt noch eine weitere Empfängnis haben zu können. Zu ausgelaugt, weil wir hier ja noch nicht einmal von normalen Kühen mehr reden, sondern von speziell gezüchteten Superkühen, auch "Turbokühe" genannt, die eine abnormale Menge an Milch produzieren, um den Menschen mit der gewünschten Menge zu versorgen. Dass das eine körperliche Belastung bedeutet, die eine normale Kuh nicht tragen kann, versteht sich eigentlich von selbst. Körperliche Belastung, aus der noch weitere gesundheitliche Aspekte folgen. Entzündungen am Euter ("Mastitis"), von denen die Bakterien selbstverständlich auch in "unserer" Milch landen - lecker klingt irgendwie anders.

Dies war ein erster Einblick für euch in Gründe, wieso es vielleicht doch eine Überlegung wert wäre, auf Milch und Milchprodukte zu verzichten. Heute habe ich lediglich den tierethischen Aspekt behandelt, doch hier hört die Argumentationskette natürlich nicht auf und wird in den nächsten Wochen auf euch zukommen - ebenso wie eine Masse an Alternativen!


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Quellen und weiterführende Links:
"Leiden der Turbokühe" - ein Beitrag der tagesschau vom 20.07.2015
"Was jeder über Milch wissen sollte." - Informationen über die Milchindustrie von Peta2 im Überblick
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