[Kolumne] Selbstexperiment: Vegan für eine Woche.

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16 Dezember 2016


Zugegeben, dieses Experiment ist für mich kein reines Experiment gewesen und von einer Woche kann ich persönlich auch nicht reden. Die Idee zu dem Thema für die wöchentliche Kolumne kam von mir, da ich mir gewünscht habe, euch einen kleinen Einstieg in das zu geben, was euch wohl nun in Zukunft auf diesem Blog erwartet. Vor ungefähr einem Monat habe ich mich wieder dazu entschlossen: ein tierleidfreies Leben. Vegetarisch durch und durch und vegan bis zu dem Punkt, an dem es mir möglich ist. Schon vor einigen Jahren habe ich mich drei Jahre lang vegetarisch ernährt und aus gesundheitlichen Gründen letztendlich abgebrochen. Doch damals hatte ich weniger Wissen, weniger Geld und weniger Disziplin. Wobei es an der Disziplin am allerwenigsten gescheitert ist. Vegetarisch zu leben - das war mir nicht neu. Worauf zu achten ist, das wusste ich ja bereits. Vegan und nachhaltig ist da nochmals eine andere Ebene, mit der man sich erstmal auseinander setzen muss. Daher ist mein Text ein bisschen fernab von "eine Woche vegan", sondern viel eher "mein langer Weg zum Veganismus und worauf man Schritt für Schritt achten muss".

Der erste Gedanke bei einem veganen Leben führt natürlich zur Ernährung. Der Verzicht auf alles Tierische. Fleisch, Fisch, Gelatine, Honig, Eier, Milchprodukte. Die meisten Inhaltsstoffe lassen sich recht schnell identifizieren - da reicht nur ein schneller Blick auf die Verpackung. Fleisch und Fisch einfach zu streichen war für mich absolut kein Thema und benötigt auf meinem Essensplan auch kein Ersatzprodukt. Gelatine kann durch Agar Agar ersetzt werden oder durch Pektin - wobei ich mich nicht daran erinnern kann, besonders oft selbst Gelatine gebraucht zu haben. Wer wie ich auf Kristallzucker verzichtet, war mit Honig oft gut dabei. Stevia, Kokosblütensirup oder Agavendicksaft sind hier hervorragende Alternativen. Bei Milchprodukten habe ich lange mit mir gehadert und tue das zum Teil immer noch. Meine Suche nach einem für mich genießbaren Milchersatz war lang - Sojamilch sollte bei mir aufgrund meiner Schilddrüsenerkrankung eher Seltenheit sein, Mandel-, Haselnuss- oder Kokosmilch schmeckten mir einfach nicht. Pur ging das alles noch gut, aber spätestens beim Kaffee hörte es dann auch auf. Und mein Grundsatz auf dem Weg zum veganen Leben ist: Schritt für Schritt nach Alternativen suchen, die mich in keiner Weise im Genuss einschränken. Vor drei Wochen habe ich sie endlich gefunden: die Hafermilch. Schmeckt gut, tut gut, des isch es. Beim Thema Joghurt habe ich eine hervorragende Alternative aus Kokosnussmilch gefunden (von "The Coconut Collaborative"). Nur bei Käse und Eiern bin ich noch etwas überfragt; auf Eier kann ich ebenso einfach verzichten, aber Käse ist Käse. Überbacken wird alles gut.


Doch vegan hört natürlich nicht beim Thema Ernährung auf - im Bereich der Kosmetik habe ich mich nun auch mit sehr vielen Dingen beschäftigt, die mich teilweise an meinem Konsum der letzten Jahre noch weitaus mehr hat zweifeln lassen. Ob vegan oder nicht ist ja eine Sache - Tierversuche nochmals eine andere. Der erste Blick in das Internet verriet mir, dass ich mehr als die Hälfte meiner Kosmetik getrost aussortieren kann, wenn man den Aspekt "tierversuchsfrei" beachten möchte. Offiziell sind Tierversuche in Deutschland verboten und so scheinen die Westen ziemlich rein zu sein. Aber ja, es ist ein Schein - in China sind Tierversuche für Kosmetik zum Beispiel vorgeschrieben. Im Umkehrschluss unterstützt und betreibt jede Marke, die auch in China ihre Produkte vertreibt, genau diese Versuche an Tieren. Moralisch ein Cut, den ich nicht gut heißen kann. Auch Kosmetikfirmen, die anteilig der Pharmaindustrie angehören, fallen unter dieses Schema - denn Medikamente müssen an Tieren getestet werden. Welche Marken darunter fallen, das würde ich euch gerne in einem separaten Post vorstellen. Doch hier sind wir ja noch nicht einmal beim Thema 'vegan' angekommen - Bienenwachs, Gelée Royale, Kollagen, Keratin, Karmin... und da hört es noch lange nicht auf. Da ich sowieso eine Kosmetiksammlung hatte, die mir für die nächsten fünf Leben gereicht hätte, habe ich radikal ausgemistet und ein paar schnieke eBay-Pakete zusammen gestellt. Alle mir wirklich lieb gewonnen Produkte brauche ich noch auf - und dann heißt es auch hier: Alternativen suchen. Beim Haarspray bin ich zum Beispiel noch sehr aufgeschmissen. Zum einen möchte ich nachhaltig sein, auf Aerosole verzichten. In diese Richtung habe ich tatsächlich beim dm nur ein einziges Produkt gefunden - das Haarspray mit Lotusblütenextrakt von alverde. Nun ist aber auch das aufgrund von Shellac nicht vegan. Me in a nutshell - mal schauen, wo ich am Ende bei meiner Suche lande.

Zu guter letzt möchte ich das Thema Bekleidung auch nicht unerwähnt lassen. Wolle, Alpaka, Leder - nur ein kleiner Bereich der tierischen Fasern und Nutzbereiche. Ja, ich besitze Produkte aus Echtleder und ja, ich werde sie auch weiterhin tragen. "Der Zug ist nämlich schon abgefahren", wie man so schön sagt und solang mir niemand diese Kleidungsstücke abkauft, werde ich sie auch bis zum Ende ihres Produktzyklus benutzen. Denn ehrlich: Verschwendung und kopflose Radikalität bringt hier niemandem etwas. Am wenigsten mir, denn ja, Geld wird immer ein Thema bleiben. Eine vegane, nachhaltige Lebensweise ist in vielen Bereichen teurer und wer nicht unendlich viel Geld zur Verfügung hat, der muss hier und da Abstriche machen. Oder sich eben Dinge überlegen, die über Umwege dann doch ganz gut funktionieren. Einfach ist anders, doch für mich stellt sich definitiv nicht die Frage, Bequemlichkeit mit meinen moralischen Ansichten auf eine Waage zu stellen.

Ich bin für mich auf dem richtigen Weg und würde euch da gerne auf dem Weg mitnehmen, wenn Interesse besteht. Ich bin keine Missionarin und ich werde auch niemandem sagen, was richtig und was falsch ist. So lange du kein Arschloch bist und die Augen vor allem verschließt, werde ich mich in dein Leben nicht einmischen; so einfach ist das. Erst bei "Fleisch ist mein Gemüse"-Menschen raste ich aus. Denn die sind scheiße. Aber sonst: frag mich nach meiner Meinung und ich erzähle sie dir. Frag mich nicht und ich lasse dich damit in Ruhe. Außer natürlich hier auf dem Blog, weil... naja, versteht sich ja von selbst.

Das hier war also definitiv kein "vegan für eine Woche" Selbstexperiment - sondern der Start für ein für mich moralisch weniger verwerfliches Leben. 


Was Mareike in ihrer veganen Woche erlebt hat?
>>KLICK<<


Kommentare on "[Kolumne] Selbstexperiment: Vegan für eine Woche."
  1. cooler Post! :) Ich bin Vegetarier seit ein paar Jahren und ich kann mir gar nicht mehr vorstellen wieder Fleisch zu essen. Vegan zu sein fände ich auch cool, aber mir fehlt es auch an Alternativen, gerade was Käse angeht...Die UGG Boots finde ich richtig schön, aber ich kann sie mir einfach nicht kaufen, weil man weiß, dass die Lämmer dafür ganz qualvoll das Fell abgezogen wird und sie dabei sterben...Deswegen finde ich es gut,dass man auch nicht nur auf die Ernährung schaut, sondern auch - wenn es geht - auf Echtfell vermeidet.
    Bei dem Satz : "Erst bei "Fleisch ist mein Gemüse"-Menschen raste ich aus" musste ich so lachen, weil die kennt einfach jeder und bei denen stoßt man echt an seine Grenzen..:D
    Liebe Grüße,
    Gabi <3

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    1. Hey - danke für deinen Kommentar! Ich bin da voll bei dir! Für ein paar UGG Boots sterben btw ganze 8 Lämmer. Habe ich zumindest mal gelesen und das hat sich echt hart in meinen Kopf eingebrannt. Sobald ich eine freshe Käsealternative gefunden habe, dann berichte ich :)

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