[Kolumne] Minimalismus: Weniger ist mehr?

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09 Dezember 2016


Ein Einkaufswagen voller Glück. Warenkörbe mit neuen Produkten. 1000 Facebookfreunde, von denen man die Hälfte höchstens zwei Mal im Leben gesehen hat. Immer größer, weiter, mehr. Unsere Gesellschaft schreibt es uns vor - wie viel wir zu wollen haben und was und wann. Qualität wird immer hervor gehoben, aber letztendlich ist es nur Quantität. Bleiben wir schon allein im Bereich des Bloggens oder unseren dazugehörigen Social Media Kanälen. Hast du viele Follower, dann bist du wer. Ob dein Inhalt Rotz ist und nur etwas für's Auge - juckt nicht. Weil viel, weil geil. Selbstverständlich gibt es auch eine gute Portion an Menschen, die dahinter schaut. Nicht jeder Zahl oder jedem Statussymbol glaubt. Aber letztendlich ist die breite Masse genau auf dieses Prinzip getrimmt - höher, weiter, schneller, besser. Mehr. Weshalb ich für mich den Weg des Minimalismus gewählt habe - auch wenn auf ganz eigene Weise - und das für mich auch der richtige Weg zu sein scheint, möchte ich euch heute erklären (und ich habe mir geschworen, niemals so einen Satz zu bringen.... ugh!).

Noch vor wenigen Monaten habe ich es absolut genossen, viel zu besitzen. Mir Dinge anzuschaffen. Mich wundert es nicht und nein, ich schäme mich auch keineswegs dafür. Ich war nie mit großartigem Reichtum gesegnet, konnte mir kaum etwas leisten - schon immer musste ich für mich selbst aufkommen, was auch vollkommen in Ordnung war (ich rede von keinen existentiellen Bedürfnissen - meine Mama hat mich immer mit Essen und einem Dach über dem Kopf versorgt!). Auch mit 13 Jahren habe ich mir meine Schulsachen selbst gezahlt, für meine Winterschuhe gespart oder was auch immer - damals habe ich deswegen herum gemault, heute bin ich sehr dankbar über diese Tatsache. Seit ich nun doch ganz gut verdiene überkam es mich vorerst mich absolutem Konsumwahn. Neue Schuhe, neue Kleidung, Kosmetik, geil! Ständig habe ich mich damit eingehäuft und yesssss, es war mega nice. Und dann schwand diese Euphorie, auf eine sehr gesunde Art. Ich konsumiere gerne; auf nachhaltige Art und Weise. Mit einer Basis von Genuss und einem gedeckten Bedürfnis. Ich besitze aktuell vier Hosen - Hosen von guter Qualität, nachhaltige Rohstoffe, Dingen, hinter denen ich stehen kann. Sie sitzen perfekt, sind gut hergestellt, sehen fancy aus und machen mich glücklich. Wieso mich eine fünfte Hose glücklicher machen sollte, das wüsste ich nun auch nicht. Alle vier waren sie nicht günstig, aber es war sehr gut investiertes Geld. Ich besitze eine Masse an Kosmetik und kaufe mir schon seit Monaten nichts Neues mehr; im Gegenteil. Erst letzte Woche habe ich mich dazu entschieden, extrem radikal auszumisten. Alles, worauf ich auch nur ein wenig verzichten könnte, ist raus geflogen. Aus 300 Nagellacken wurden 30. Aus 70 Lippenstiften wurden 15. Verrückt, nicht wahr? Ob mir was fehlt? Nein. Ganz und gar nicht. Ob ich etwas davon weg geworfen habe? Nein. Alles schön als Gesamtpaket für 35 € rein gestellt - hat wohl einen Warenwert von 150 €, wenn nicht sogar mehr. Ob ich es bereue? Nein. Ich bin glücklich, jemand anderes ist glücklich und ich habe 35 €, die ich sonst nicht hätte. Soeben habe ich meine Müller Look Box abgeholt und ehrlich? Sie macht mich nicht glücklich. Es sind nur Dinge, die halt schon irgendwie ganz cool sind, aber für die 5 € hätte ich nun auch mit einer Freundin einen Kaffee trinken gehen können und hätte ein Sammelsurium an Glück empfunden. Wie sage ich so gerne? "Des isch es!" 

Es geht nicht nur darum, nicht viel zu konsumieren, sondern das, was man konsumiert, bewusst zu konsumieren! Sich einfach ganz genau vor Augen zu führen, was will man, was liebt man, was erfüllt einen. 



Ich gebe gerne Geld aus. Für meine Mitmenschen und für mich. Ich unterstütze gerne Lokale Labels, trage Merch von Bands, die ich liebe, oder ertausche mir neue Kleidung auf diversen Plattformen. Das ist es - Liebe in die Welt hinaus tragen und selbst Glück weiter geben. Und dadurch auch empfinden. "Denn die wichtigsten Dinge sind ja sowieso nicht Dinge" - MCKS.



Was Mareike dazu sagt?
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