[Kolumne] Warum auch ich eine Hengstin bin - Jennifer Rostock und der neue Feminismus.

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11 November 2016


Feminismus ist für mich ein ganz widerliches Wort. Feminazis wohin man schaut - denn egal bei welchem Thema man sich auch befindet: Radikalität ist einfach < all. Der Ursprung des Feminismus ist die Gleichstellung und Gleichberechtigung der Frau; ein schöner Gedanke und prinzipiell in unserer Gesellschaft meiner Meinung nach auch erreicht. Doch Sätze, in die man das Wort "prinzipiell" steckt, zeugen schon von Lücken. Dabei gebe ich nicht dem Recht, dem Staat oder irgendwelchen Männern mit nicht vorhandenen Eiern die Schuld, nein, ich sehe die Schuld bei den Frauen selbst. Huch, da habe ich mir wohl jetzt schon die ersten Feinde gemacht.

"Erzähl mir nicht, dass das Thema kalter Kaffee ist!" sprach Jennifer Rostock und ja, da hat sie vollkommen recht. Ich sehe "Hengstin" nicht als  Hymne gegen Männer, sondern absolut als Hymne für die Frauen, die es nicht auf die Reihe kriegen, sich aus der alten, penisgeprägten Welt heraus zu lösen. "Wer hat dich in Ketten gelegt?[...] bleibst du gefällig, damit du jedem gefällst?" - ist in meinen Augen eine Aufforderung, mal über sich selbst (als Frau) nachzudenken. Weshalb fühlt man sich so eingesperrt? Wieso setzt man sich denn nicht identisch durch wie ein Mann? Wieso versuchen so viele Frauen ihre Rolle aus dem Mittelalter immer noch zu erfüllen? Es ist eine Frage der Selbstreflexion - ich habe mich als Frau noch nie im Nachteil gefühlt. Im Gegenteil. Und weshalb? Weil ich selbst keine Unterschiede mache und mit der Welt etwas entspannter umgehe und nicht mit einem Stock im Arsch herum laufe, eventuell. 

"Hengstin" ist eine Ermutigung dazu, sich diesen Stock aus dem Arsch zu holen - "Ich glaube nicht daran, dass mein Geschlecht das Schwache ist!" Das denke ich genauso wenig - "Eier" zu haben ist die Aufgabe beider Geschlechter. Tough zu sein. Das Leben in die Hand nehmen und das zu tun, worauf man Lust hat. Viel zu oft bleiben wir in den Erwartungen von allen hängen; denn ja, die gibt es natürlich. Wenn man sich über Jahrhunderte genau nach Schema A verhalten hat, dann ist es nun mal auch das, was die Mitmenschen (egal ob mit Penis oder nicht) von einem erwarten. Das ist nicht verkehrt und ganz natürlich; aber einen Aufstand darum zu machen, wie unglaublich emanzipiert man nun ist und dass man sich beispielsweise voll geil in einem Beruf findet, der vielleicht viel eher eine Männerdomäne ist... ugh, danke, aber nein danke. Hier greift wieder das Stichwort Feminazi - du bist nichts Besonderes, weil du "die Ketten brichst". Du bist nicht besser als Männer - du tust nur endlich das, was eigentlich ganz normal sein sollte. Ein "i don't fucking care"- ich bin stolz darauf eine Frau zu sein, proud to be gay... bla. Ich habe zu dem Thema schon mal etwas gesagt: man macht etwas zu einer Story, was eigentlich gar keine sein sollte.



Und dieses "i don't fucking care" ist meiner Meinung nach die allergrößte Message, die Jenni uns da auf dem Weg mitgeben möchte und was anscheinend auch noch unfassbar nötig ist. Man ließt sich die YouTube-Kommentare durch und puh, da wird einem ganz schön schlecht. Sowohl Frauen als auch Männer, die widerlich herablassend sind - schon verkehrt genug. Aber dann auch noch so zurückgeblieben sein und genau die Message, die rüber gebracht werden sollte, nicht zu verstehen - das tut weh, macht wütend und zeigt umso mehr, wie nötig "Hengstin" samt Video war und ist. Während Jenni nämlich die Zeile "Ich glaube nicht, dass mein Körper deine Sache ist." singt/rappt/whatever, sitzt sie nackt, breitbeinig und dennoch alle "prekären" Körperpartien bedeckend in ihrem Video. Ein Grund, um sie als Hure zu bezeichnen, die am besten im Rudelfick vergewaltigt werden sollte - laut YouTube Kommentaren. Aber das nur btw. Und hier greift ihre Argumentation vollkommen in sich: Mein Körper ist meine Sache. Egal ob er nackt ist oder nicht. Wenn ich Lust darauf habe, nackt zu sein - so what? Ich kann und darf das - und nur weil DU das sexualisierst heißt das nicht, dass ich das tue. Verstanden? Ein nackter Körper ist ein nackter Körper ist ein nackter Körper. Ich könnte es noch tausendfach hintereinander schreiben - denn wir bestehen nun mal aus Haut und Haaren und all dem, was unter unserer Kleidung ist. Ein Penis bleibt genauso ein Körperteil wie ein Arm und Brüste sind zwar schon sehr nice, aber letztendlich auch nicht mehr als meine Ellenbogen - die Sexualisierung beginnt erst in den Köpfen anderer. Auf meinem Instagramprofil zeige ich mich ab und an auch recht freizügig. Ästhetisch - manchmal gezielt sexy, aber manchmal sind meine nackten Beine halt meine nackten Beine und nichts weiter. Sorry not sorry. 

Nun zurück zu meinem Punkt vom Anfang: Männer sind Frauen. Frauen sind Männer. Alles Menschen. Jeder hat seine individuellen Stärken und Schwächen, aber geschlechtsspezifisch etwas fest machen zu wollen? Bitch, please. Deshalb finde ich es auch nicht verkehrt zu sagen "Es gibt so viele Männer - und so wenig Eier!" Es gibt a.) einfach zu viele Menschen ohne Eier und b.) mal davon ausgegangen, dass dies eine Aufforderung an alle Frauen ist, sich endlich von den eigenen Ketten zu lösen, dann muss man denen halt auch mal eintrichtern, dass es auch in der Männerwelt viele Arschlöcher und feige Säue gibt. Genauso gibt es dumme Fotzen. Es gibt Hengste und Stuten und eben auch Stuteriche und Hengstinen. Man kann von Wortspielen ja halten, was man möchte - aber wie behindert kann man sein, wenn man tatsächlich unter das Video kommentiert "DAS WORT HENGSTIN GIBT ES NICHT, DAS HEIßT STUTE!". Oh really, Digga? Da braucht man sich auch nicht mehr wundern, dass es genügend Menschen gibt, die Trump wählen. 

Dieses Thema hat so wahnsinnig viele Aspekte - schon allein wenn ich über die Grenzen unseres Landes schauen müsste, müsste ich wieder mit komplett neuen Ansätzen kommen. Vielleicht sollte ich dazu mal ein Buch schreiben - von Hengstinen und Feminazis. Hm. Über Beat und das Lied und den Rap kann man sagen, was man möchte - Geschmackssache bleibt Geschmackssache. Ich feier es.

Abschließend kann ich nur sagen: Der größte Feind des Feminismus ist die Frau selbst. Danke Jenni.



Was Mareike zu diesem Thema sagt?
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Kommentare on "[Kolumne] Warum auch ich eine Hengstin bin - Jennifer Rostock und der neue Feminismus. "
  1. Der Beat und der Text sind der Hammer *_*

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  2. https://www.youtube.com/watch?v=9cj8bfErkP8 Sehr guter Beitrag zu exakt dem Thema:)Evetuell interessiert es dich.LG

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