[Kolumne] Mein Blog und ich: Über Depressionen, Beautywahn und dem Weg zurück zur Liebe zum Wort.

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21 Oktober 2016

Fräulein Bird. Ein Name, der für das steht, was ich bin - was ich bin und was mein Blog ist. Denn genau das, was in meinem Herzen und meiner Seele passiert, das seht ihr auch fast zu hundert Prozent in meinem Blog widergespiegelt. Doch was ist Fräulein Bird eigentlich? Welche Charakteristik macht sie aus? Zugegeben, ich dachte, dieser Blogpost würde mir weitaus leichter fallen, doch irgendwie ist er nicht mehr (und vor allem nicht weniger!) als reine Selbstreflexion. Wer bin ich?

Momentan bin ich wieder bei meinen Wurzeln angelangt - der Liebe zum geschriebenen Wort. Damals, vor zehn Jahren, als ich meinen ersten Blogpost verfasst habe, waren es eher kryptische Gedanken aus einer tief verletzten, nicht nur leicht depressiven Seele. Damals - damals hat noch niemand gebloggt; erst recht nicht professionell und mit einem bestimmten Ziel. Da mein Start in das Bloggerleben schon so früh begann und für mich als Selbstverständlichkeit zum Leben dazu gehörte, ist der wahre Start der ganzen Bloggosphäre komplett an mir vorbei gegangen. Als ich das ganze schon etwas professioneller machen wollte, war der Zug eigentlich schon längst abgefahren. Ich kam schon gar nicht mehr hinterher - aber das war okay.

 Foto: B.A. FOTO / ARTS

In dem Moment, als es mir persönlich besser ging, veränderte sich mein Blog mit mir. Die nichtigen Dinge wurden plötzlich wieder relevant - denn ehrlich, es gibt kaum ein besseres Zeichen für eine wachsende, psychische Gesundheit, als wenn man sich an ganz plumpen Dingen erfreuen kann. Denn ja, Schminke und Beauty ist plump und flach; doch daran ist ja absolut nichts verkehrt. Fräulein Bird wurde Beauty und Fräulein Bird war gar nicht Fräulein Bird, sondern The Seriousness of Red Lipstick. Mehr Serious und mehr Lipstick ging schon fast gar nicht mehr. Ich habe nie zu den wirklich Guten gehört und groß werde ich mit meinem Blog - egal in welcher Form - wahrscheinlich auch nie. Aber es gab eine Zeit, da schien mein Baby wirklich zu wachsen. Sponsoren, Events, huch, es ging richtig ab! Euphorie machte sich breit und ebenso der Druck, da komplett mithalten zu wollen. Jedem zugeschickten Produkt gerecht zu werden. Doch irgendwann machte es plötzlich WUMM im Kopf und ich wollte das alles nicht mehr. Ich erinnere mich noch ganz genau an den Tag - es kamen wie fast jeden Tag vier Pakete bei mir an. Neue Limited Editions, tolle Produkte, Beautygeräte. Ich packte schon nichts mehr mit diesem Strahlen aus; es wurde nur noch aufgemacht und registriert. Alle Produkte habe ich in einen Karton gepackt, mit nach unten auf den Balkon genommen und meinen Flokati ausgebreitet, um alles schön fotografieren zu können. Die Fotos habe ich gemacht und bearbeitet; es gibt sogar von allen vier Paketen Entwürfe von Blogposts in meiner Liste mit wunderschönen Fotos. Ein Wort dazu geschrieben habe ich allerdings nie - ich war es satt. Die zehn neuen Nagellacke, die da für mich bereit waren, die lösten nichts mehr in mir aus. Ich stellte sie einfach zu meinen weiteren 300 dazu und hatte sie direkt nach fünf Minuten wieder vergessen. Und wenn man an einem Punkt der absoluten Übersättigung ist und keine Leidenschaft mehr für etwas empfindet - na, dann ist es einfach nicht mehr das Richtige.

Ich habe die Beautywelt nicht hinter mir gelassen. Ich klatsche mir immer noch drölf tausend Produkte ins Gesicht und auf den Körper und genieße jede Sekunde davon. Doch ich kaufe nichts mehr. Ich gehe nicht mal mehr in Drogerien, außer ein Everyday-Produkt wird leer (oder der neue dm im Ort eröffnet und es gibt Häppchen... true story). Meine Prioritäten innerhalb meiner Interessen haben sich gewandelt. Anstatt mich zu Hause über Lippenstift #629 halblebig zu freuen, entdecke ich die Welt für mich. Erlebe Dinge, lerne neue Menschen  kennen, tanze auf Konzerten und feier einfach mein Leben. Natürlich widerspricht sich das eine mit dem anderen nicht - denn wie der Zufall es will, habe ich eben erst gestern ein Haarprodukt entdeckt, das ich euch unbedingt zeigen möchte. Und wenn ich euch sowas vorstelle, dann bin das in dem Moment zu hundert Prozent ich. Und wenn ich euch über Monate hinweg "nur" Kolumnen liefere und euch mitten in mein Leben hinein ziehe - dann bin das auch ich.

Die Liebe zum Wort wird immer bleiben, davon bin ich fest überzeugt. Der Drang zur Selbstdarstellung genauso.  Ich bin eben meine ganz eigene Art von Social Media Bitch. Instagram kennt alles von mir, selbst meine Schlüpper. Das ist der Weg, den ich gehe - und ich nehme euch auf meinem Weg mit, egal wo er auch hinführen mag. 





Was Mareike euch dazu zu erzählen hat?
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Kommentare on "[Kolumne] Mein Blog und ich: Über Depressionen, Beautywahn und dem Weg zurück zur Liebe zum Wort."
  1. Hey :)
    Seit wann bloggst du eigentlich? Ich bin ja mit meinem Blog auch schon so alt, dass es 98% der Blogs von früher nicht mehr gibt :D

    Es ist doch völlig egal, dass ein Blog sich verändert. Und ich finde es sehr interessant auf deine Blog zu lesen, wie du es selbst wahr nimmst. Ich erzähle auf meinem Blog nichts privates. Dort geht es immer nur um die Kunst die ich mache, wie sie entstanden ist... Doch ich glaube, wenn man sich durch die ganzen Beiträge seit 2012 klickt, wird einem mehr von mir offenbar als mir lieb ist. :D

    Es ist doch irgendwie schön, so eine Art Tagebuch zu haben - vermutlich ist es sogar ehrlicher als ein Tagebuch ;)

    Liebe Grüße > sara

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    1. Ps.: eigentlich wollte ich *ist doch völlig normal* schreiben :D War wohl nicht ganz bei mir ;)

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  2. Liebe Alicja,

    ich finde es schön mit anzusehen, dass sich viele Blogs derzeit wandeln, weil sich eben auch die Autoren/Autorinnen verändern.

    Vermutlich haben viele von "uns Bloggern" in den letzten Jahren ähnliches erlebt. Man bloggt, zuerst ganz klein und nur mit Spaß und auf einmal wächst das ganze Projekt und man denkt sich: Wow, wie toll ist das denn!

    Genaugenommen ist es das auch, aber wie du so schön geschrieben hast, steigt mit der Leserschaft auch der Druck, den man sich selbst macht. Man möchte genauso schöne Fotos machen wie "die anderen", man möchte immer spektakuläreren Content anbieten, mithalten. Und irgendwann merkt man, dass man das eigentlich doch nicht möchte.

    Mir ging/geht es mit meinem Blog genauso. Ich habe 2010 als reine Foodbloggerin angefangen (davor habe ich schon jahrelang privat gebloggt, allerdings ohne "Öffentlichkeit" und soweiter) und gemerkt, dass mich das alles mehr stresst, als es mich erfreut. Im Mai diesen Jahres habe ich deswegen auch umgestellt.
    Neues Layout, neue Themen hinzugenommen, nicht mehr so verbissen.

    Klar, ich möchte weiterhin, dass die Leute meinen Blog gerne lesen. Und natürlich gebe ich mir weiterhin Mühe, dass die Fotos schön aussehen und all das. Aber ich möchte mich nicht mehr auf "nur Food" beschränken und "mithalten" wollen. Ich möchte auch andere Artikel schreiben, einfach nur weil es mir Freude macht.

    Ich glaube, dass das der richtige Weg ist – für dich, für mich und vermutlich auch viele andere, die keine Lust mehr auf das Blogger-Hamsterrad haben.

    LG, Laura

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