[Kolumne] #regrettingmotherhood - Dürfen Frauen keine Kinder haben wollen?

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02 September 2016


Lange war es für mich klar, wie meine spätere Zukunft mal aussehen soll. In meiner Vorstellung war ich mit 30 schon verheiratet, wohnte in einem Haus mit Garten, hatte einen Hund und zwei Kinder. Das typische Vorstadtleben, mit viel Harmonie und voller Klischees. Nun ist es aber logisch, dass zu dieser Vorstellung auch der richtige Partner dazu gehört, den ich aber nicht habe. Und tatsächlich - mein Wunsch nach dieser Ideal-Familie schwindet. Ich kann jetzt auch nicht sagen, dass ich das definitiv nicht mehr haben möchte, aber wenn ich ehrlich bin gibt es auch nichts mehr in mir, dass das als Lebenstraum beschreiben würde. Muss eine Heirat überhaupt sein? Und kann man auch ohne Kinder glücklich sein?

Vor einigen Monaten ging mit dem Hashtag #regrettingmotherhood ein großer Aufschrei durch die Internetwelt - Mütter, die bereits ein oder sogar mehrere Kinder auf die Welt gebracht haben, bekannten sich dazu, nun im Nachhinein lieber niemals Mutter geworden zu sein. Größtenteils wurden sie behandelt wie Monster von einem anderen Planeten. Darf man das so, zu sagen, man hätte die eigenen Kinder lieber nicht gekriegt? Ja. So lange man diesen Kindern dennoch all die Liebe und Aufmerksamkeit schenkt, die sie verdient haben. Denn die Kinder können am allerwenigsten etwas dafür, das einst falsche Entscheidungen getroffen wurden. Und das war auch der Punkt, den die meisten Mütter damals genannt haben: Trotz allem lieben sie ihre Kinder und würden sie zu dem jetzigen Moment nicht mehr hergeben. Könnten sie aber die Entscheidung nochmal treffen, dann würden sie sich gegen ein Kind entscheiden und für ihre persönliche Freiheit.

Ich sehe nichts Verkehrtes darin zu sagen, man sei zu egoistisch oder egozentrisch für Kinder, sodass diese keinen Platz in der eigenen Welt haben. Das ist wie mit Haustieren - habe ich keine Zeit oder Lust oder gar kein Herz für Tiere, dann soll man sich einfach kein Haustier anschaffen. Punkt. An dieser Stelle schüttelt auch niemand den Kopf. Steht man allerdings dazu, keine Zeit und keinen Nerv für Kinder zu haben - wahrscheinlich auch, dass sich nie etwas daran ändern wird - dann beginnt das Tuscheln und Lästern. Ich hatte vor drei Wochen ein Gespräch mit meiner Chefin; wir waren auf dem Rückweg von einer Geschäftsreise und sie erzählte von ihren drei Söhnen; wie sie doch das Beste sind, das sie in ihrem Leben erreicht hat. Als ich meinte, dass ich nicht mehr weiß, ob ich überhaupt jemals Kinder haben möchte, weil ich so viel anderes lieber erleben möchte und nicht will, dass Lebewesen, die ich auf die Welt setze, darunter leiden, hat sie nur gelacht. "Aber irgendwann wird die zwanzigste Reise oder die fünfzehnte Designertasche dir auch auch nichts mehr geben - dann sind es die Kinder und eine intakte Familie, die dir den Sinn im Leben geben." Das mag vielleicht für viele stimmen, für mich steht aber fest, dass ich selbst in erster Linie dafür einstehen will, dass mein Leben einen Sinn  hat und niemand sonst. Es gibt so viele, die ständig nach einem Sinn suchen - sich Religionen hingeben, unzählige Kinder auf die Welt setzen, ständig den Job wechseln und niemals das Glück dabei finden. Viele glauben, dass sie durch den ständigen Wettlauf nach den Dingen, "die man halt im Leben erledigt habe muss", irgendwann bei ihrem Glück ankommen - machen sich dann aber selten bewusst, dass das Glück vielleicht ganz wo anders liegt.

Mit meinen 24 Jahren schon zu behaupten, dass ich keine Kinder haben möchte, wäre wirklich verrückt - ich bin viel zu jung, um darüber eine definitive Aussage treffen zu können. Vielleicht kommt schon in einer Woche der Mann meines Lebens um die Ecke, der mir zeigt, wie wunderschön es ist, eine Familie zu gründen und vielleicht gemeinsam darauf hin zu arbeiten, sowohl Kinder, als auch alle anderen Träume im Leben zu verwirklichen. Vielleicht tingel ich aber noch bis 40 als Tinderella durchs Leben - wer weiß das schon. Vielleicht finde ich auch erst mit 60 den Mann, der bis zum Schluss an meiner Seite bleibt und dann wird es zu spät für Kinder sein. Und dann? Bin ich dann weniger wert? Darf ich dann von meinem Leben nicht mehr behaupten, dass es vollkommen erfüllt gewesen sei?

Wenn man sich für Kinder entscheidet, dann bitte auch mit vollem Herzen. Mit Zeit, mit Liebe und (leider) auch mit Geld. Das Kind, das vielleicht irgendwann von mir in diese Welt gesetzt werden wird, das soll alles kriegen, was nur möglich ist. Aber wenn ich weiß, dass auch nur eine Komponente davon nicht zu 100% von mir erfüllt werden kann, dann ist auch eindeutig klar: nein. Kein Kind hat es verdient, nur halblebig geduldet zu werden, "weil man halt Kinder haben sollte".


Was Mareike zu diesem Thema zu sagen hat?
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Kommentare on "[Kolumne] #regrettingmotherhood - Dürfen Frauen keine Kinder haben wollen?"
  1. Ein krasses Thema mit vielen interessanten Sichtweisen wurde Offen bequatscht. Was ich gut finde. Jeder muss für sich selbst entscheiden, wohin einen der Weg führt. Jeder muss sich selbst bewusst für etwas entscheiden.
    Solange die Kinder alle liebe und Zuneigung der Welt erfahren, kann man seine damalige Entscheidungen in frage stellen.
    Für mich aber stand schon sehr früh fest, dass ich zehn oder mehr (😱 OMG 😱) Kinder möchte. Ob es so kommt? We will see.
    Guter Beitrag! Absolut nachvollziehbar, wie du jetzt denkst und fühlst.
    Lg deine Tami

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  2. Meine Mutter hätte niemals Kinder in die Welt setzen sollen. Sie ist psychisch einfach nicht in der Lage dazu (gewesen) uns aufzuziehen. Und genau deshalb, eben weil ich psychisch krank bin und ich niemals "geheilt" werden kann, werde ich keine Kinder in die Welt setzen. Ich will ihnen nicht das antun, was mir angetan wurde. Trotz dessen, dass ich einen tollen Partner seit einigen Jahren habe, würde mir nie in den Sinn kommen, dass Kinder dieses Glück perfektionieren würden. Wir wären beide keine guten Eltern.

    Damit ist für mich eigentlich die Suppe gelöffelt, da gibt es auch für mich keine dummen Diskussionen mit Supermamas, die dann sagen "Ach, du änderst deine Meinung sowieso noch". Ich hasse das, dass die einem die Meinung so aufbinden wollen.
    Ich finde es so schwachsinnig zu sagen, dass nur Kinder das Leben bereichern. Ich sehe es ja an meiner Mutter, dass dem nicht so ist.

    Außerdem, wer weiß, ob ich überhaupt noch Kinder bekommen kann nachdem ich so viele Jahre die Pille schon nehme.

    Liebe Grüße

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  3. Ein sehr gutes Thema und ich finde es gut, dass du offen darüber schreibst. Ich bin jetzt 35 und weiß nicht ob ich mich bereit für ein Kind fühle. Ich habe zwar eine feste Partnerschaft und wir stehen mit beiden Beinen, auch finanziell und vom familären Background her im Leben - aber ein Kind ändert eben alles und ich bin auch noch nicht sicher ob ich bereit bin mein aktuelles Leben aufzugeben.

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  4. Interessanter Beitrag!
    Ich werde bald 31 und weiß immer noch nicht, ob ich Kinder haben möchte und befürchte, dass dieser Zustand noch länger andauern wird:-)
    Ich fände das total langweilig mit dem Kind zuhause rumzuhocken und keine Freiheiten mehr zu haben...

    Liebe Grüße
    Elina

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  5. Leider habe ich auch noch keinen passenden Partner. Das kann man leider nicht steuern. Ich will auf jeden Fall Kinder. Klar ist es eine riesen Verantwortung und viel Arbeit, aber so was schönes. Was wäre meine Mama ohne mich und meine Sis? Wohl völlig vereinsamt. :( Zudem liebe ich Kinder und habe auch deswegen eine Aus- und Weiterbildung gemacht und den Führerschein gemacht. Allgemein mir verschiedenes aufgebaut... Nun hoffe ich, dass Gott mir welche schenkt, wenn ich mal einen passenden Partner gefunden habe. :)

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  6. Ich finde es ehrlich gesagt bescheuert, das Frauen die aussprechen was sie denken, fühlen oder bereuen, kritisiert und vielleicht sogar bedroht werden. Ich kann mittlerweile beide Seiten verstehen. Ich selber habe im Grunde die letzten 10-12 Jahre immer gesagt, ich möchte keine Kinder und öfter Verständnislos angeschaut. Auch jetzt wo ich 30 geworden bin, kann ich sagen, ich bin mir nicht sicher. Aber das ist okay so und jede Frau sollte nicht zu ihre Entscheidungen oder Meinung verurteilt werden.

    Mina

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