[Kolumne] Homophobie ist keine Phobie. Du hast keine Angst. Du bist einfach nur ein Arschloch.

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24 Juni 2016



Morgan Freeman hätte für mich keine wahreren Worte sagen können, als die, die ihr in der heutigen Überschrift lesen könnt. Eine Phobie ist ein Angstzustand. Ängste, die einen lähmen, einschränken, bedrücken. Wer unter einer Phobie leidet, der hat Herzrasen, Schweißausbrüche, Schwindel, Zittern, Übelkeit. Wer homophob ist, der nimmt sich einfach nur das Recht heraus, darüber zu entscheiden, was angeblich 'richtig' oder 'falsch' sein soll. Wen man lieben darf - und wen nicht.


Ganz aktuell ist das Thema wieder durch den Anschlag Orlando - ein terroristischer Anschlag, bei dem 49 Menschen eines Clubs für Homosexuelle ihr Leben verloren. Ein Akt des Hasses. Gegen das anders sein. Gegen die Liebe an sich. Denn ich möchte heute gar nicht so weit ausschweifen - ich möchte keine Pro-Homo-Kampagne starten, keine Demo organisieren oder sonst irgendwas Prägnantes. Auch wenn natürlich noch viel Arbeit geleistet werden muss, bis ein Umdenken in der gesamten Gesellschaft statt findet - denn auch Toleranz ist immer noch keine Akzeptanz - und ich bin mir sicher, dass es immer Menschen geben wird, die Arschlöcher bleiben. Doch ich halte es trotzdem nicht für richtig, seine Homosexualität stets in den Vordergrund zu stellen. "Proud to be gay", "Lesbians rule the world" oder die wahnsinnige Aufruhr darum, wenn sich ein Promi outet. Nicht seitens der Medien, sondern vom Promi selbst. Schwul oder lesbisch zu sein (oder bi oder trans... whatever) sollte zu keiner Geschichte gemacht werden. Keinem Statement. Wie soll denn sonst jemals eine Gleichwertigkeit aufkommen? Bin ich stolz darauf, dass ich auf Männer stehe? Muss ich mich dafür schämen, dass ich Brüste toll finde? Nein und nein. Ich kann offen sagen, dass ich - für mich persönlich - mir niemals etwas mit einer Frau vorstellen können, erotisch finde ich einen entsprechenden Frauenkörper aber dennoch. Natürlich ist meine Sexualität ein Teil von mir, aber meinen Charakter formt diese trotzdem nicht.

Ich vergleiche den Punkt mal ein wenig mit diesem ganzen "bodyshaming" und "kurvige Frauen sind echte Frauen" und blablabla. Jede Frau ist eine echte Frau. Ich kann dieses "proud to be big" oder wie auch immer man das ausdrücken möchte nicht mehr hören, insbesondere wenn im Nachgeschmack des Statements ein #plussizegirlsdoitbetter kommt. Es geht mir nicht um dicke Menschen, es geht eigentlich auch nicht um Homosexuelle - es geht mir darum, dass so viele Menschengruppen Gleichberechtigung erreichen möchten, sich aber mit ihren Aktionen und Worten selbst über andere Gruppen stellen. Selbstverständlich verstehe ich auch, dass insbesondere Schwule und Lesben noch mehr nach Gleichberechtigung schreien - immerhin wurden sie in der Vergangenheit verfolgt, maltretiert oder sogar getötet (und teilweise geschieht das auch noch heute). Dass man irgendwann "raise your voice" und "proud to love dicks" durch die Gegend schreit ist vollkommen in Ordnung - aber eben nicht der richtige Weg. 

Der richtige Weg - welcher das sein soll, das kann ich natürlich auch nicht genau beantworten. Was aber fest steht ist, dass es nicht nur die "Hassenden" gibt, aber auch tatsächlich die "Verängstigten". Die Unaufgeklärten. Die, die denken, es könnte ein Schwulen-Gen vererbbar sein (btw - so what?). Die, die das für eine Krankheit halten - tolerieren, aber nicht akzeptieren. Die Angst vor dem Unbekannten ist normal; wenn ich in meinem Leben in eine seither noch nicht vorhandene Situation komme, dann habe ich Angst. Doch in einer Beziehung zwischen zwei Frauen oder zwei Männern sehe ich nichts Unbekanntes - ich sehe Liebe. Oder Sex. Oder beides. So wie auch zwischen Mann und Frau oder mehreren Männern und Frauen. Who cares, ganz ehrlich. So lange ich mit meinem Handeln mein Gegenüber nicht verletze, dann kann ich mich doch verlieben und schlafen mit wem und wie vielen ich will. Denn ein riesiges Argument ist - auch von seitens der Religion - eine Liebesbeziehung, ohne Absicht auf Kinder, Sünde, bla. Dürfen sich nun also auch Mann und Frau nicht ineinander verlieben, obwohl sie jetzt (noch) keine Kinder haben möchten? Wie viele Paare gibt es auf der Welt, die kinderlos und glücklich leben? Oder kinderlos und unglücklich - es klappt einfach nicht. Ja und dann? Muss dieses Paar sich trennen, weil es weiß, dass niemals Kinder aus dieser Beziehung entstehen werden, obwohl sie es möchten? 

Das hier ist kein Pro-Homo Text. Das hier ist ein Pro-Liebe Text. Ich entscheide mich nicht, in wen oder was ich mich verliebe; das ist, als ob man mir sagen würde, ich könne mich spontan entscheiden, mit welcher Hautfarbe ich geboren werde - absurd. Aber ich kann mich entscheiden, ein Arschloch sein zu wollen oder eben zu lieben und lieben zu lassen. 



Was Mareike zum Thema Liebe zu sagen hat?
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