[Kolumne] Ein Ende ist auch ein neuer Anfang: 10 Tipps für das Leben nach dem Schulabschluss

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03 Juni 2016



"Erst gestern war der Abiball und unser Direktor sprach von unserer leuchtenden Zukunft am letzten Tag. Das Gruppenbild: Beliebte und Randgestalten. Foto hat die Zeit für ein Hundertstel angehalten. Die Jungs trugen Anzug, manche haben sich reingezwängt. Fühlten sich eingeengt, manche haben ihn anbehalten. Noch beisammen wie die Kugel eines Löwenzahn bevor die Böe kam und uns in die Höhe nahm..." - Prinz Pi, Kompass ohne Norden


Der gute alte Prinz Porno, der wahrere Worte kaum sprechen konnte - Abi geschafft oder Real-/Hauptschulabschluss hinter sich gebracht und endlich fertig mit der Schule. Doch was ist dann? Es gibt viele, die genau wissen, was sie vom Leben erwarten und in welche Richtung sie später gehen möchten. Aber die meisten wissen in dem jungen Alter zwischen 16 und 19 vielleicht noch gar nicht, wohin ihr Weg sie treiben soll. Habe ich Talente? Habe ich Interessen? Reicht mein Können in diesem Bereich? Und hat das alles, was ich mir wünsche, überhaupt Zukunft? Fragen, die man sich definitiv stellen muss. Mein bisheriger Werdegang ist sicherlich nicht der vorbildhafteste, aber vielleicht einer, der sagt, dass es in Ordnung ist, wenn man zwischendurch auch mal scheitert. 

Ich habe mich schon sehr früh in meinem Leben in der kreativen Branche gesehen. Ich liebe das Spiel mit der Sprache, tobe mich gerne künstlerisch aus, male, fotografiere und beschäftige mich im höchsten Maß mit Musik. Kunst wollte ich studieren, am besten etwas mit Medien. Nicht, weil das alle wollten, sondern weil ich mich in der Ecke wirklich zu Hause fühlte. Doch weil ich schon immer ein kleiner Mongo war (#sorrynotsorry) habe ich mich nie rechtzeitig um etwas gekümmert. Mir hat damals vor dem Abitur gereicht zu wissen, dass der Bewerbungsschluss für fast alle Studiengänge der 15.07. bzw. der 15.01. ist. Das reichte mir als Info - im Mai machte ich mich dann auf, nach Studienplätzen zu suchen. Nur gab es da leider nichts mehr - denn kreative Studiengänge beginnen mit ihren Auswahlverfahren schon viel früher, da es zusätzlich zur normalen Bewerbung auch um die Sichtung von Mappen und eventuell noch zusätzlichen kreativen Prüfungen geht. Der Traum, direkt nach dem Abi mit dem weiter zu machen, was ich mir gewünscht habe, war also weg - und ich war selber schuld. Da ich aber weiterhin von meinem Weg überzeugt war, beschloss ich, mich für das nächste Semester erst zu bewerben und somit ein halbes Jahr zu jobben. Gesagt, getan. 

Beim nächsten mal habe ich mich rechtzeitig darum gekümmert, die wichtigen Dokumente an die verschiedenen Hochschulen zu senden. Da es sich nun aber um ein Sommersemester gehandelt hat, standen auch weitaus weniger Studiengänge zur Verfügung, da sehr viele nur im Wintersemester anfangen. Eine Zusage kam und ich sagte ebenso zu. Es handelte sich um eine private Kunsthochschule; privat hat natürlich immer mit bestimmten Kosten zu tun. Nach anfänglichen Zweifeln, ob ich das gut hinkriegen würde (keine Finanzierung von den Eltern), habe ich mich daran gewagt. Meine Woche sah so aus, dass ich von Montag bis Freitag an der FH war und von Freitagabend bis Sonntagabend gearbeitet habe. Das gesamte Geld, das ich dort verdient habe, ging in mein Studium; Einschreibegebühr, monatliche Gebühren und auch noch monatliche Fahrkarten für ca. 200 €. Es war wahnsinnig anstrengend, aber für seine Träume macht man sowas. Leider entpuppte sich das Studium als absoluter Reinfall. Schlechte Organisation, ganze drei (mich inbegriffen) Studenten in meinem Studienfach, kein Campusleben, viele private Einflüsse der Dozenten und absolut keine gute Ausstattung. Von einem Studium, für das man viel Geld ausgibt, erwartet man auch etwas - und davon gab es nichts. Durchgezogen habe ich das ganze zwei Semester. Danach war ich ausgelaugt, pleite und wieder ohne Zukunftsweg, denn ich brach das Studium ab.

Neue Bewerbungen wurden geschrieben und vor lauter Panik, wieder mit keiner Perspektive da zu stehen, habe ich mich für so ziemlich alles beworben, was irgendwie interessant schien. Die erste Zusage kam von der Hochschule Reutlingen für das Studienfach Textiltechnolgie/Textilmanagement. Mehr dazu könnt ihr in diesem Post lesen, in dem ich etwas mehr zu meinem Studium geschrieben habe. Ein wissenschaftliches Studium, das mir niemand zugetraut hat; ich mir selbst am wenigsten. Nun, drei Jahre später, absolviere ich mein Praxissemester im Bereich des Qualitätsmanagements eines Luxusbekleidungsunternehmens und werde hier auch im Anschluss meine Thesis schreiben. Durch einen Zufall und Umwege bin ich zu etwas gekommen, das ich mir vorstellen kann, mein ganzes Leben lang zu machen. Ich bin sehr glücklich in meiner Branche und, was soll ich sagen, "everything happens for a reason".

Was ich damit ausdrücken möchte: Es gibt immer einen Weg. Probiert euch aus, hinterfragt aber trotzdem alles mit einem kühlen Kopf. Es ist nicht schlimm, auf seinem Lebensweg Fehler zu machen. Eine Ausbildung oder ein Studium dürfen ruhig auch abgebrochen werden, wenn man merkt, dass es doch nicht das Richtige war. Davon geht die Welt für niemanden unter - besser so, als dass ihr euer ganzes weiteres Leben unglücklich bleibt.


Zusammenfassend meine Tipps an euch, wenn ihr euch Gedanken macht, was ihr jetzt nach dem Schulabschluss machen möchtet



1. Kümmert euch rechtzeitig um Informationen, wenn ihr einen bestimmten Weg schon im Kopf habt.
2. Falls ihr aber noch gar nicht wisst, was ihr machen wollt, dann fragt euch: welcher Typ "Lerner" bin ich? Brauche ich etwas Praktisches? Kann ich diszipliniert alleine lernen, ohne dass mir das jemand vorschreibt? Denn das führt euch vielleicht näher an die Antwort, ob es ein 'normales' Studium, ein duales Studium, eine Ausbildung oder der nächsthöhere Schulabschluss werden soll.
3. Solltet ihr so gar nicht gar nicht wissen, was ihr machen möchtet: lasst euch Zeit! Geht ins Ausland, wenn die Finanzen es zulassen; jobbt euch durch die verschiedensten Ecken; erlebt das Leben - oft kommt der Wunsch nach etwas Bestimmten dann ganz von allein.
4. Lasst euch nicht entmutigen oder gar sagen, ihr könntet dieses oder jenes nicht schaffen! Das ist absoluter Quatsch!
5. Macht, worauf ihr Lust habt; lasst euch in keine Schublade stecken oder folgt nur den Träumen eurer Eltern; das werdet ihr später bereuen und irgendwann das Gefühl kriegen, ihr hättet etwas im Leben verpasst.
6. Solltet ihr feststellen, dass euer eingeschlagener Weg doch nicht das Richtige für euch ist: kein Problem! Manchmal muss man ein wenig irren, um seine Leidenschaft zu finden.
7. Auch ein FSJ ist eine gute Möglichkeit, um sich persönlich weiter zu entwickeln und Erfahrungen zu sammeln, bevor ihr euch für den nächsten Schritt entscheidet.
8. Jeder Job hat seine Berechtigung - ihr habt Abi gemacht, möchtet aber dennoch "nur" Schreiner werden? Go for it! Hauptsache, ihr werdet damit glücklich.
9. Ihr interessiert euch für etwas Technisches, habt aber Angst euch zu bewerben, weil eure Mathe oder Physik Note bisher aus diversen Gründen nicht so prickelnd war? Versucht es trotzdem! Auch ich habe letztendlich eine Ingenieurswissenschaft studiert, obwohl ich im Mathe-Abi nur 2 Punkte hatte.
10. Stay calm. Aber das gilt wohl für fast jeden Bereich im Leben :)



Mareikes Tipps dazu findet ihr hier:
>>KLICK<<


Wie war das bei euch nach dem Schulabschluss? Habt ihr auch erstmal hin und her geschwankt und wusstet nicht, wo ihr am Ende landet?
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