[Kolumne] Ein einziger Moment kann dein Leben verändern - für immer.

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06 Mai 2016


Die meisten Tage unseres Lebens gehen an uns vorbei, ohne auch nur die geringsten Spuren in unserer ganz persönlichen Lebensgeschichte zu hinterlassen. Wir haken sie als Alltag ab und wenn wir Glück haben, dann entscheidet sich unser Gehirn, diesen Tag wenigstens in irgendein Hinterstübchen unserer Datenbank zu packen, um es dann alle paar Jahre wieder als wohlige Erinnerung heraus zu holen. Doch manchmal - manchmal ist ein Tag mehr als das. Manchmal wird ein Moment zu einer Geschichte, die du immer und immer wieder erzählst. Manchmal wird ein Moment zu etwas, was dich umhaut - glücklich macht, dich traurig stimmt und bedeutend in dein Leben eingreift. Und manchmal können einzelne Moment das Leben für immer verändern.

Das Jahr 2007 barg so einen Moment. Es war der 28. Mai; der Pfingstmontag. Ein Tag, nach dem nie wieder irgendwas war wie früher. Ich war damals 15 Jahre alt, mitten in meiner ersten richtigen Beziehung. Mein Leben war nicht einfach, aber ich hatte mich damit arrangiert - so war mein Leben eben. Patriarchalisch und aggressiv. Nach diesem Tag war es weder das eine, noch das andere. Mein Vater hatte sich das Leben genommen in dem Haus in dem wir lebten und arbeiteten. Es hatte sich alles verändert - wir konnten dort nicht mehr wohnen bleiben. Wir konnten dort nicht mehr arbeiten. Wir hatten kein Dach über dem Kopf, keine Arbeit, kein Einkommen - und keinen Vater. Das Kartenhaus fiel also in sich zusammen und riss dabei alles entzwei, was nur irgendwie mit auf dem Weg lag. Menschen, die das selbst nicht erlebt haben, werden wohl entsetzt den Mund aufreißen. Aber neben all dem Schmerz, all der Ungewissheit und der Veränderung siegte doch ein Gefühl: Erleichterung. Das Ende einer Tyrannei. Es ist eine sehr persönliche Geschichte, die nicht nur mich betrifft, daher möchte ich sie auch nicht im tiefsten Detail erzählen. Ich möchte auch nicht unnötigen Hass schüren. Jedoch kann und darf manches nicht totgeschwiegen werden. Mir und meiner Familie wurde wahnsinnig viel Leid zugefügt und in diesem Moment wusste ich, dass das alles vorbei ist. 

Es war natürlich noch lange nicht vorbei. So viele Jahre unter einer solch strengen Hand zu leben, das hinterlässt Spuren. Und trotz aller Erleichterung hinterlässt auch das Ableben jeder Person noch viel stärkere Spuren - ich sehe ihn mittlerweile nicht als den bösen Mann, sondern als den armen Mann, der in seiner Seele wahnsinnig krank war. Verlustängste klammern sich seitdem immer wieder an mich. Sich frei zu fühlen, unbeschwert zu sein - das habe ich erst vor kurzem wieder gelernt und doch klappt das nur selten wirklich gut.

Jeder erlebt seine Geschichten, jeder hinterlässt Spuren. Seinen ganz persönlichen Fußabdruck auf dem Wanderweg zum Glück. Manchmal vergehen Jahre ohne Veränderung und manchmal ist man selbst die Veränderung im Leben anderer. Es sind nicht nur die großen schlimmen Tragödien - nicht nur der Tod, Trennungen, Abschiede, Verluste. Es sind auch die Begegnungen, neue Liebe, ein neuer Job, eine ganz spezielle Freundschaft. Zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort. Ich denke, wir müssen uns oft nicht auf die Suche nach Veränderung machen, wenn wir uns rastlos fühlen. Ich glaube, wenn man offen ist für diese Welt da draußen, dann wird die Veränderung uns schon schon finden. Jeder neue Tag birgt das Potenzial, das eigene Leben für immer zu verändern. Man muss es nur am Schopf packen und nicht vor Furcht los lassen, wenn es soweit ist.



Was Mareikes Moment im Leben war,
der alles für immer veränderte?

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Nächste Woche geht es wieder weiter mit einem neuen Kolumnenthema.
Freitag, 12 Uhr - stay tuned!


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Kommentare on "[Kolumne] Ein einziger Moment kann dein Leben verändern - für immer."
  1. Omg, dieser Text hatte echt Spannung Pur!
    Da ist mir schon ein bisschen Gänsehaut auf meine Arme geschlagen.

    xoxo, Celine

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    1. Vielen lieben Dank Celine für deinen tollen Kommentar <3

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  2. wow, ich habe echt gänsehaut beim lesen bekommen...
    liebe grüße, gabi <3

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    1. Danke dir, das bedeutet mir wirklich viel!

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  3. Es tut mir so leid, dass du so eine Erfahrung machen musstest. Aber mit solchen Erlebnissen wächst man und wird stark!

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    1. Vielen lieben Dank! Das sage ich mir auch immer - everything happens for a reason.

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