[Kolumne] Another Tinderella Story: eine Woche Tinder im Selbstversuch.

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27 Mai 2016
Dieser Post stammt mal nicht aus meiner Feder - Vanna, meine liebste Freundin und ehemalige Bloggerkollegin, hat sich auf das Selbstexperiment "Tinder" für euch gestürzt und ihre Erlebnisse für euch zusammen geschrieben.


Ich bin Vanna, 19 und hatte noch nie einen Freund. Warum? Sagen wir es so: Meine Flirtstrategie besteht darin, den potenziellen future Boyfriend aus sicherer Ferne so lange anzustarren bis er riecht, dass ich die Richtige für ihn bin. 
"Es muss doch auch eine einfachere Möglichkeit geben, nette Männer kennen zu lernen, oder?" fragte ich mich und musste dann daran denken, dass ich mich vor einem Jahr schon einmal bei einer Dating-App angemeldet hatte und schon nach wenigen Stunden mein Profil wieder löschte. Mich schrieben Leute aus meinem Ort (der übrigens nicht groß ist) an und ich hatte nicht vor, mich den Rest meines Lebens in meinem Zimmer einzusperren, weil mir B., 22, aus M. sein Geschlechtsteil zeigen wollte und ich ihm einfach nicht mehr in die Augen schauen konnte. 
Da kam Lisch mit ihrer Anfrage mehr als richtig. TINDER. Finde ich in sieben Tagen meinen Traumprinzen oder endet das alles wie in der originalen Version von "Der Froschkönig", in der der Frosch gegen eine Wand geklatscht wird, damit der Bann gebrochen wird? Wir werden sehen.


Mittwoch, 18. Mai 2016

17:50 Uhr, der Spaß beginnt, indem ich mir die App runtergeladen und schnell festgestellt hab, dass ich mich nur über Facebook anmelden kann. Toll. Was, wenn meine FB-Freunde etwas davon mitbekommen? 
Nun gut, 10 Minuten später geht der Wahnsinn richtig los. Tinder übernimmt meine komplette Interessen-Liste aus Facebook und vergleicht sie mit den Listen der anderen User. Wird den anderen Nutzern meine komplette Liste angezeigt? Ich bin schon im Erdboden versunken, ehe ich etwas auf der App machen konnte. "Sierra Tequila, Shindy, Tattooatelier,  Funny Cat Videos, ...". "Ich würde dich voll nicht daten wollen. " sagte Lisch zu mir. Nach nur einer Stunde hatte ich bereits meinen ersten Match. Das heißt, dass wir uns beide toll fanden und nach rechts geswiped haben. Und das heißt wiederrum, dass wir nun theoretisch miteinander schreiben können.


Was mir recht schnell auf den Senkel gegangen ist, ist die Vorgehensweise. Ein Bild erscheint auf deinem Bildschirm und du entscheidest dann, ob er in die nächste Runde gelassen wird oder nicht. Nur anhand des Aussehens. Und das kann ich nicht. Mir bringt das absolut gar nichts, wenn der hübsche Adonis nur aus Anabolika und heißer Luft besteht. Eine neue Strategie muss her. Ich habe mir jede einzelne Beschreibung durchgelesen und mir jedes einzelne Bild angeschaut. Freundliche Ausstrahlung? Yes. Duckfaces, Prolleten und Fotos mit anderen Weibern wurden gnadenlos nach links geswiped. Und schon wurden es immer mehr Menschen, die mich interessierten. Plötzlich machte mir das alles ein wenig Spaß. 



Es war kurz nach 21 Uhr und ich hatte schon wieder völlig vergessen, dass mein Instagram-Profil ebenfalls mit Tinder verknüpft ist und somit wunderte mich sehr, warum ich über den Direct Messenger eine Nachricht bekam, in der stand "Hey hey, hab dich bei Tinder gesehen und dachte, ich muss dir mal schreiben.". "Awwwww, da wollte mich wohl einer ganz dringend kennen lernen!" kicherte ich und antwortete ihm. Es war D., 24 und er schien ein Schleimbeutel zu sein, machte mir viele Komplimente. 10 Minuten später schrieben wir in Whatsapp weiter und keine 20 Minuten später bereute ich das schon wieder. "Hottie, ich kenne dich zu wenig, sonst würde ich was zweideutiges sagen." "Weiß deine Mama, dass du sowas im Internet an fremde Ladies schreibst?" denke ich mir, schreibe aber nur ein verunsichertes "haha". Wenig später wollte er mir klarmachen, wie schön es ist, Nudist zu sein und ich das gefälligst auch ausprobieren sollte, natürlich mit Beweisbildern. ich lehnte dankend ab und überlegte mir, wie ich am schnellsten aus dieser Nummer rauskomme, ohne dass er mich jemals wieder anschreibt. "Ist dir klar, dass du dich erkältest, wenn du ständig nackt rumläufst?" frage ich ihn und siehe da? Er schreibt nicht mehr. 
Mit drei neuen Matches und der Erkenntnis, dass man fremden Kerlen nicht sofort seine Handynummer geben sollte gings nun in die Nachtschicht. 


P., 21, aus N. hat mich angeschrieben. "Oh mein Gott *Herzchenaugen-Emoji*, hab auf ein Match mit dir gehofft, du bist so verdammt schön!". Ich war sofort verknallt. 


Donnerstag, 19. Mai 2016

P. hat geschrieben. Desweiteren hatte ich schon mehr als 10 neue Matches, doch angeschrieben hatten mich nur noch zwei weitere Kerle, was aber nicht lange hielt, da ich mit meiner Wand schon durchaus längere und interessantere Gespräche geführt habe. 
P. war dafür umso gesprächiger und das war mir recht, auf mehr als zwei Typen konnte ich mich nicht gleichzeitig konzentrieren. Ich hing den ganzen Tag an meinem Handy und so kam es dazu, dass ich ihn ebenfalls in Whatsapp anschreiben sollte. So viel zum Thema "keine Nummer mehr rausgeben". Wir schrieben über so viel und waren auf einer Wellenlänge. Es wurde witzig, dann sehr ernst und dann wieder sehr sehr witzig. Wir scherzten viel, nahmen uns beide nicht sehr Ernst und beleidigten uns in einer Tour, aber eben auf liebevoller Weise. Da für mich eh schon klar war, dass er DER Match war, vernachlässigte ich den Tindergarten und schrieb den ganzen Tag nur mit P. Ich konnte echt mein Handy nicht liegen lassen. Meinen Tag hat das in sofern beeinflusst, dass ich oft Dinge einfach stehen und/oder vergessen habe (wie das Essen auf dem Herd und meine Katze auf dem Balkon zum Beispiel), um ihm zu schreiben.
"SCHREIBE SCHON 2 TAGE MIT DIR, 0 NUDES". "SIND ALLE IN DER CLOUD, HACK MICH DOCH" und ich sende dazu ein Suglie mit einem Mittelfinger. "DA SIND KLAMOTTEN PFFFF" und sendet mir ein Suglie. "DU HAST AUCH KLAMOTTEN AN, EY NE EY!!!". So ging das dann auch die ganze Nacht. Ohne Flax, wir haben bis 4 Uhr geschrieben. Er schrieb gute Nacht und so ging dann auch ich mit fettem Grinsen und etwas kribbeln im Bauch und in der Vajayjay schlafen.


Freitag, 20. Mai 2016 

Mein Zukünftiger hat noch nicht geschrieben, bestimmt schläft er noch. Dann checken wir mal wieder die App ab. Ich hatte nun mehr als 20 Matches und ein Super-Like, aber mir schrieb keiner. Toll. Dann muss ich wohl für Frischfleisch sorgen. Oder so. Ich setzte mich aufs Sofa und begann wieder zu swipen. Was ein Super-Like ist, weiß ich übrigens selbst nicht so genau. 


Tinder ist ein Vollzeitjob; wenn du nicht aktiv Milkshakes zubereitest, kommen die Boys auch nicht in deinen Vorgarten. Was mich ehrlich gesagt gewundert hat, war, dass ich bis Dato kein einziges Dick Pic erhalten habe.  Ich war mir doch so sicher, dass ich mit dem ein oder anderen Gemächt konfrontiert werden würde.War mir aber auch ganz recht.

Mein Super-Like, nennen wir ihn T., schrieb mich an. Er war auch außerordentlich nett und höflich und es war sehr angenehm mit ihm zu schreiben. Ich stellte fest, dass er aus meiner Nähe war und so fing ich an, immer seltener zu schreiben. Ich will also neue Typen kennen lernen, möchte aber eine gewisse Distanz einhalten, weil sie mir fremd sind. Entweder das, oder ich habe Angst davor, dass es irgendwie Ernst werden könnte. und um ehrlich zu sein tendiere ich eher zum zweiten.


Samstag, 21. Mai 2016

Ich wurde immer lustloser und die App immer langweiliger. Gegen Mittag schrieben mich C. und N. an. C. war irgendwie voll mein Typ. Er machte mir ein Kompliment zu meinem Piercing, was mich echt freute. Begann dann aber recht schnell über Sex und Drogen zu zu schreiben und ich war mir nicht sicher, ob ich den Rock 'n' Roll - Part einnehmen wollte. Ich wollte ihm dennoch eine Chance geben und so checkte ich mir auch seine Handynummer ab. Ich verrückte Nudel. Leben am Limit.


N. war mein zweiter Super-Like. Ich hab inzwischen herausgefunden, dass man einen Super-Like verleiht, wenn man so unbedingt Kontakt zu einer Person herstellen möchte, dass man quasi den Swipe nach rechts für die geswipte Person sichtbar macht. Alles andere passiert ja bis zum Match völlig anonym. Okay, also N. war optisch ein ziemlicher Hingucker. Groß, strahlendweiße Zähne, blonde Haare und einen lässigen Kleidungsstil. Er ist angeblich bei der Marine, was ich ja doch echt spannend fand und so ging ich auf den Super-Like ein. Schnell merkte ich aber, dass er irgendwie.. naja, sagen wir, nicht die hellste Kerze auf der Geurtstagstorte ist. Aber okay, das bin ich wahrscheinlich auch nicht und deswegen blockte ich nicht sofort ab. Ich war geduldig, was eigentlich nicht zu meinen Stärken gehört. Nun ging es, warum auch immer, um den Veggie-Trend und was ich zur Zeit beruflich mache. Aber seht selbst.



 


Ich war verwundert und brach dann das "Gespräch" ab. Das war dann der Moment, in dem ich begann, bei Studenten bewusst nach rechts zu swipen.


Sonntag, 22. Mai 2016
  
Mit einer Schüssel Cornflakes setzte ich mich morgens an den Tisch und holte mein Mobilfunkgerät raus. Meine Honey Pops wurden leider zu Matsch und ungenießbar, aber das war okay, immerhin erzählte mir C. von seinen Erfahrungen mit Sex auf LSD und legte es mir ebenfalls ans Herz. Jetzt muss ich mir ständig vorstellen wie es wäre, auf der Regenbogenstrecke von Mario Cart mit einem Drachen Sex zu haben.
Lustig fand ich aber, dass er die Nacht, bei einer "Freundin" verbracht hatte und noch in besagtem Bett lag, während er mich unauffällig fragte, was ich denn heute Abend vorhätte. Ich musste lachen. 


Ich warf mal wieder einen Blick auf die App und jap, ganz wie ich erwartet hatte, es passierte nichts mehr, was ich aber auch ganz gut fand, da mich die App langsam richtig nervt. Entweder sie hängt sich auf, loggt mich aus oder zeigt mir lauter braungebrannte Luftmatratzen mit Duckface an. Nope, davon habe ich genug. Ich weiß zwar nicht was ich will, aber ich weiß was ich nicht will. P. Schrieb mir immer noch nicht. 



Montag, 23. Mai 2016



Ich heulte meine Mädels voll, wie schade ich es finde, dass mir P. nicht mehr schreibt. Er ist SOOOOO toll. Seine Augen. Seine Stimme. Seine Art. Ich hatte schon fast die Flitterwochen gebucht, aber er wollte mir einfach nicht schreiben und ich wusste einfach immer noch nicht den Grund. Lisch riet mir dazu, ihn doch einfach mal zu fragen, ich hätte ja sowieso nichts zu verlieren. Und recht hat das Mädel!! Also raffte ich mich zusammen und fragte, ob er mich denn vergessen hätte. Und er Antwortete sogar.




Ich fiel aus allen Tinderwolken direkt auf den Boden der Realität. Wie konnte er mir drei Tage nicht schreiben und dann auch noch so dreist sein und behaupten, dass ich langweilig sei, weil ich ihm keine Nudes senden wollte? ICH DACHTE WIR LIEBEN UNS UND WERDEN HEIRATEN? Ich saß die letzten drei Tage in einer Gefühlsachterbahn und er katapultierte  mich einfach aus meinem Sitz. Super. Naja, wenigstens weiß ich nun, dass er ein blöder Mongo ist, der nur meinen Körper wollte. Oder so. Ich bin doch nicht langweilig? ...oder etwa doch...? Nein! Ich versuchte mir klar zu machen, dass ein Mensch, der mich nicht einmal kennt, mir so etwas gar nicht vorwerfen kann. Und in dem Moment habe ich dann auch gecheckt, dass ich auf diese Weise keinen Mann fürs Leben finden kann und möchte. Is' mir zu oberflächlich.


Dienstag, 23. Mai 2016

Endlich. Ich habe, wenn ich ehrlich bin, den ganzen Tag gehofft, dass mir keiner mehr schreibt, ich hatte echt genug von diesem Tinder-Wahnsinn. Abgesehen von einem weiteren Super-Like, wurde ich auch tatsächlich verschont, auch wenn ich noch ein letztes Mal ordentlich nach rechts geswiped habe. Punkt 0 Uhr hab ich dann auch mein Profil und die App von meinem Handy gelöscht und ich muss sagen, ich bin gottfroh. Goodbye Tinder, goodbye Fuckboys and goodbye anxiety. Ganz im Ernst? Mir fiel eine Last von den Schultern. Ich musste niemandem mehr beweisen, dass ich Cinderella bin. Meine Füße hätten eh nicht in deren Air Max gepasst. 



Fazit: Ich bin kein Online-Dating-Typ. So gar nicht. Eher werde ich eine einsame Katzenlady, als mich von einer App abhängig zu machen. Meistens sind die tollsten Menschen gar nicht so weit von einem entfernt und manchmal muss man nur drei Sekunden mutig sein um diese eine Person anzusprechen und sein Schicksal in eine neue Richtung zu lenken. Also traut euch, gebt dem süßen Starbucks-Barista eure Nummer und schenkt eurer besten Freundin Blumen. Wartet nicht darauf, auf eurem Bildschirm die große Liebe zu finden sondern geht in die weite Welt hinaus und schaut den Menschen in die Augen. Ihr werdet das sicher nicht bereuen. Ich geh jetzt einen Liebesbrief an meinen Schwarm schreiben. 



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