[Kolumne] Wann hast du das letzte Mal gelebt? - Wie Ängste mir den Mut raubten.

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22 April 2016


"Why worry?If you have done the very best you can. Worrying won’t make it any better. If you want to be successful, respect one rule: Never let failure take control of you. Everybody has gone through something that has changed them in a way that they could never go back to the person they once were. Relations are like electric currents; wrong connections will give you shocks throughout your life, but the right ones will light up your life." ~Leonardo DiCaprio

Ich weiß noch, wie ich hoffte, dass ich die Bahn verpassen würde. Es war Juli 2014. Ich war unterwegs zur Prüfung und ich bin selbstverständlich zwei Busse früher gefahren als nötig gewesen wäre. Und dann stand ich da und hoffte, es würde alles schief gehen. Mein Handy hielt ich bereits in der Hand, um meine Mutter anzurufen: Du, es geht einfach nicht, ich kann nicht zur Prüfung, weil, naja, die Bahn eben.
Genau in dem Moment kam die Bahn und ich - ich stieg ein. Fuhr weiter, bis an das Ziel. Ich dachte bis zum Schluss, dass ich mich nicht an meinen Platz setzen werde, sondern einfach nach rechts in die Mensa abbiege, mir einen Kaffee hole und dann wieder nach Hause fahre. Ich setzte mich doch an meinen Platz. Was mich dazu trieb, meine Angst beiseite zu schieben, das weiß ich nicht mehr. Zwei Wochen später erfuhr ich das Ergebnis: 1,2. Hätte ich mich damals meiner Angst gebeugt, nunja...

Und genau in solchen Situationen bin ich in meinem Leben schon so oft gestanden. An Scheidewegen, in denen ich mich entscheiden musste. Denn Angst geht immer mit einer Entscheidung einher. Stelle ich mich meinen Ängsten, lasse mich von ihnen antreiben? Oder verschließen sie das Schloss zu meiner Freiheit? Diese Freiheit ist nicht unbedingt nur im großen Stil gemeint - nicht zwingend. Es sind die kleinen Dinge, die sich aber irgendwann zu etwas Großem ansammeln und vielleicht sogar in richtige Phobien munden, wie auch bei mir mit meinen sozialen Schwierigkeiten. Wer mich nämlich im falschen Moment kennen lernt, der wird mit mir nichts anfangen können. Ich bin zurückhaltend, langweilig, aber nicht schüchtern. Nur irgendwie ehrfürchtig vor allem - davor, dass jedes kleine Wort, jede Bewegung gewertet wird und vor allem abgewertet wird. Dass ich als Person, als Mensch mit Werten und Gaben, nicht als solcher respektiert wird. Und dann - dann sage ich oft lieber nichts. Hier und hier habe ich euch bereits von meinen sozialen Ängsten erzählt und vor allem auch darüber, wie sich dieser Punkt enorm bei mir verbessert hat. Mit Druck von außen muss man sich gewissen Ängsten dann auch einfach mal stellen. Ich brauchte einen Job, der Einzelhandel gab mir einen - und ich, ich dachte ich sterbe tausend Tode. Dabei blühte ich nur auf und es war das Beste, das ich machen konnte. Seit März bin ich nun in einem neuen Job und ich hatte keine Angst davor. Natürlich war ich aufgeregt, gar keine Frage. Aber ich verspürte endlich keine Barriere, die mich komplett von meiner Außenwelt abtrennte.

Es gibt manchmal einfach keinen anderen Weg, als sich selbst in das kalte Wasser zu schmeißen. Egal ob es damit anfängt, dass man an das Telefon geht, obwohl eine unbekannte Nummer angezeigt wird oder ob man nun den Mann seiner Träume ansprechen möchte. Es ist ganz gleich, worin euer Problem liegt, wie klein es für die Umwelt scheint - wichtig ist, wie ihr dabei empfindet. Dass ihr euer Herz für das öffnet, was euch wirklich wichtig ist. Ich bin kein Mensch, der gerne regelmäßig von Massen an Menschen umgeben ist - und das hat nicht grundsätzlich etwas mit Ängsten zu tun, sondern mit einer persönlichen Präferenz. Und das ist vollkommen in Ordnung. Aber ab und an wäre ich gerne entspannter in solchen Momenten; ich würde fremde Menschen gerne fragen, was sie im Leben antreibt, wofür sie atmen. Ganz einfach so. Und doch kommt mir diese Frage kaum über die Lippen. "Hi. Schön, dich kennen zu lernen." Oft denkt man auch, man hätte gewisse Chancen auch einfach verpasst. Wie zum Beispiel wie bei einer Kollegin von mir - ich habe bis heute nicht viel mit ihr gesprochen. Und 'nicht viel' ist auch schon untertrieben. Bis gestern dachte ich: So, die Chance für die erste Kontaktaufnahme ist nun over and out, ab jetzt wird es peinlich. Und dann saß sie plötzlich neben mir, schimpfte über irgendwas und ich schimpfte mit. "Wo kommst du eigentlich her? Irgendwie hatte ich noch keine richtige Chance, dich das zu fragen." Und entgegen aller Erwartungen geriet die Welt in diesem Moment nicht aus den Fugen. Alles war in Ordnung.

Wir sperren uns so sehr in unsere eigenen Käfige und schmeißen den Schlüssel dazu weg. Es ist so dunkel in uns, dass wir vergessen, dass man vielleicht einfach den Schalter anmachen könnte, um den Schlüssel zu uns selbst in der Ecke zu finden und unsere Ketten aufzubrechen.

"Happiness can be found even in the darkness of times if only one remembers to turn on the light."-Albus Dumbledore



Don't let yourself get you down.



Was Mareike dazu sagt?

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Kommentare on "[Kolumne] Wann hast du das letzte Mal gelebt? - Wie Ängste mir den Mut raubten."
  1. Sehr schön geschrieben. Ich kenne es, dass man einfach zu große Angst hat und leider ist es oft bei mir so, dass ich doch kneife. Mein Ziel seit letztem Jahr ist es, dass ich mich dieser Angst stelle. Ich bereue es so oft und denke mir hinterher: was wäre, wenn? Das bringt mich nicht weiter und zieht mich nur runter....
    Soziale Ängste sind schon schlimm....
    Immerhin hat es sich bei dir verbessert und ich drücke dir die Daumen, dass es weiterhin so gut läuft (bzw. deine Angst überwinden wirst).

    Liebe Grüße und schönes Wochenende :)


    Alisia

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    1. Hi Alisia,
      fragt man sich das nicht immer - was wäre wenn? Das Leben besteht aus viel zu vielen "Was wäre wenn's", wenn du mich fragst.
      Egal, ob man seine Pläne durchzieht oder nicht. Das selbe gilt aber auch für Ängste - auch davon gibt es viel zu viele und das ist so schade!

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  2. Ich komme mir in vielen Situationen sehr schüchtern vor.
    Banale Dinge, wie den Anruf einer unbekannten Nummer annehmen oder den Chef etwas fragen, obwohl er gerade zu tun hat, halten mich oft auf. Dann stehe ich da und sehe die Zeit verrinnen und denke mir: was wäre passiert, wenn du den Anruf angenommen hättest? War es vielleicht jemand, der sich für deine Kunst interessiert? Und wenn du immer über-höflich wartest, bis dein Chef dir seine Aufmerksamkeit schenkt, kommst du vielleicht so rüber, als machst du deinen Job zu langsam?

    Allerdings benehme ich mich nur so, wenn es um mich selbst geht. Ich möchte nicht aufdringlich wirken oder habgierig. Wenn andere dabei sind, bin ich meist die, die voran geht und die Dinge in die Hand nimmt. Warum, kann ich nicht erklären.

    Sehr schöner Text :)
    Ich lese gerne deine Beiträge!

    Liebe Grüße > sara

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  3. Ich komme mir in vielen Situationen sehr schüchtern vor.
    Banale Dinge, wie den Anruf einer unbekannten Nummer annehmen oder den Chef etwas fragen, obwohl er gerade zu tun hat, halten mich oft auf. Dann stehe ich da und sehe die Zeit verrinnen und denke mir: was wäre passiert, wenn du den Anruf angenommen hättest? War es vielleicht jemand, der sich für deine Kunst interessiert? Und wenn du immer über-höflich wartest, bis dein Chef dir seine Aufmerksamkeit schenkt, kommst du vielleicht so rüber, als machst du deinen Job zu langsam?

    Allerdings benehme ich mich nur so, wenn es um mich selbst geht. Ich möchte nicht aufdringlich wirken oder habgierig. Wenn andere dabei sind, bin ich meist die, die voran geht und die Dinge in die Hand nimmt. Warum, kann ich nicht erklären.

    Sehr schöner Text :)
    Ich lese gerne deine Beiträge!

    Liebe Grüße > sara

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    1. Genau so ging es mir auch sehr lange. Sobald ich bereits etwas 'in fester Hand hatte' - also eine bestimmte Gruppe oder eine führende Position - dann hätte man nichts Besseres tun können, als mir zu folgen. Ich blühe dann so richtig auf, plane und organisiere und ziehe auch jeden optimal angepasst zu seinen Fähigkeiten mit.

      Und dann gibt es die Situationen... puh, da kann ich nicht einmal Hallo sagen :/

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