[Kolumne] Selbstexperiment: In einer Woche zur Bikini-Figur.

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15 April 2016

Wenn es jemanden gibt, der Frauenzeitschriften nicht ausstehen kann, dann bin ich das. Ich kann einfach kein Titelblatt ernst nehmen, das dir gleichzeitig "Liebe dich so, wie du bist." und "Ein Pfund weniger pro Tag - die besten Kohl-Suppen-Rezepte!" suggeriert. Nein, einfach nein. Umso mehr komme ich mir heute selbst wie eine Schundblättchen vor. "In einer Woche zur Bikini Figur - so ein Schmarrn.", denke ich und plane dennoch schon meine nächste Woche vor. Was esse ich? Esse ich überhaupt etwas? Ein bisschen Staub vielleicht? Und warum liegt hier eigentlich Stroh?
Eine richtige Taktik habe ich nicht. Essen reduzieren, Sport klingt gut und dieses Low-Carb war mal ganz dicke mit mir - vielleicht wird das ja gar nicht so schlecht laufen.







Starten wir das Experiment - 09.04.2016



Nun gut, ich muss ehrlich sein - es ist gerade Samstag, 21 Uhr und ich hatte heute einen Hot Dog und einen Burger. Das Experiment habe ich bereits nach zwei Minuten komplett vergessen. Aber wer kann es mir schon verübeln. Ich war mit meinem Herzmann den ganzen Tag bei Ikea und ein Tag mit Ikea, aber ohne Hot Dogs... das ist wie Mickey ohne Minnie. Beyonce ohne Jay-Z. Ein unvollständiger Moment. Und ja, nach Ikea musste natürlich der Wocheneinkauf her - BBQ Chipotle Sauce war im Angebot und mein Herzblatt Feuer und Flamme. Mein Kopf hat dann direkt das eine mit dem anderen kombiniert und irgendwie wurden dann selbstgemachte Burger daraus. Man muss sich ja auch etwas gönnen, sage ich mir. Vielleicht hätte ich den Backcamembert auf dem Burger aber auch weg lassen können. Tag 1 und 2 sind somit vollkommen gescheitert und morgen soll es nicht besser werden. Familienessen bei den Schwiegereltern und mir schwankt jetzt schon Böses. Stand der Waage: 66,6 kg. Wie evil bin ich denn!






Essen bei den Schwiegereltern - 10.04.2016

Ich bin stolz auf mich. So ein bisschen zumindest. Das Essen bei meinen Schwiegereltern war wie immer richtig schön; die Speisen natürlich auch. Gekocht wird meistens so viel, dass es für fünf Kelly Families reichen würde, auch wenn wir nur zu fünft am Tisch sitzen. Die Auswahl? Fantastisch. Kartoffelpüree mit Käse, Zucchini-Pfanne, Berner Würstchen, Pute in Champignon-Rahm-Sauce, Hähnchenbrust, zwei Salate, Reisnudeln und noch weiteres Gedöns. Im Gegensatz zu sonst landete diesmal nur ein voller Teller vor mir; zur Hälfte gefüllt mit Salat, Gemüse und eine Putenbrust. Bis zu dem Zeitpunkt war alles hervorragend - die Menge stimmte, das WAS stimmte auch. Aber ich habe die Rechnung ohne Oma F gemacht. "Ich habe extra für euch gebacken." Bei Nachtisch kennt Oma kein Pardon - und ich bei einer Bisquit-Rolle, die mit Nutella gefüllt ist, leider auch nicht. Zwei Stücke später meldet sich mein viel zu voller Magen und mein wahnsinnig schlechtes Gewissen. Shame on me. Oma wollte mir noch mehr Kuchen einpacken, aber das habe ich noch abzuwehren geschafft. Kuchen, meine größte Schwäche. In diesem Moment beschloss ich, dass das mit dem Essen für heute einfach gewesen sein muss und hielt mich auch tapfer daran.

Nachdem ich nun schon ewig nichts Sportliches mehr gemacht habe, schmiss ich abends dann tatsächlich meinen Laptop an, öffnete YouTube und fand das grausamste 10-Minuten-WorkOut ever. Ich bin dabei gestorben, lechzend nach Luft und Leben. Aber es war ein gutes Gefühl. Stand der Waage: 66 kg.





Arbeitsalltag und Pfannkuchenfamilien - 11.04.2016



Mein gesamter Tag besteht eigentlich aus meiner Arbeit. Ich verlasse das Haus um halb 7 Uhr morgens und komme erst abends um halb 8 wieder zurück. Das heißt nicht nur wenig Freizeit, sondern auch meist sehr wenig Zeit für Hausarbeit und Essenszubereitung. Unsere Kantine hat zwar wahnsinnig gutes Essen, das verhältnismäßig günstig ist, aber 5 € am Tag bedeuten 25 € pro Woche und 100 € im Monat. Das kriege ich zu Hause weitaus günstiger hin und nehme mir mein Essen also immer mit. Für heute musste ich mir etwas ausdenken, das auch vom Gewicht her nicht viel ausmacht und dennoch unterwegs essbar ist, da morgens ein Geschäftstermin anstand, der außerhalb statt fand und dann auch noch bis 12 Uhr ging. Die Wahl fiel auf ein Brötchen - Körner mit Frischkäse, Feldsalat und einer Scheibe Leerdammer. Irgendwie habe ich mich verkalkuliert (nein, nicht nur irgendwie... ich habe einfach nicht nachgedacht) und dieses eine Brötchen war dann doch sehr unzufriedenstellend. Frühstück und Mittagessen in einem... ugh.
Immerhin hatte ich noch einen Apfel, aber der hat es dann auch nicht raus gehauen und der Hunger blieb. Und ihr kennt das sicherlich - kriegt man zu wenig, schreit der Heißhunger und man stopft. So weit ging es dann zum Glück nicht, aber drei Pancakes wurden es dann eben doch. Hochgerechnet komme ich dennoch auf sehr wenig Essen und bin eigentlich fast schon schockiert. Stand der Waage: 66 kg





Happy-Birthday-Kuchen - 12.04.2016



Kuchen. Da haben wir es schon wieder - aber wer kann es mir verübeln? Der Start in den Tag ging mit Chia-Samen, Blaubeer-Joghurt, Erdbeeren und Haferflocken los. So weit so gut. Mittagessen? Salat mit nur ein wenig Joghurt-Sauce. So weit so gut. Doch dann - dann hatte die Abteilungsleiterin Geburtstag. In solchen Momenten wird man einfach wehrlos, ganz und gar. Es überfällt einen von überall und man hat keine Chance zu entrinnen. Käsekuchen mit Mandarinen; immerhin sehr fluffig und leicht, also bestimmt auch nicht so fettpolsternährend - man muss es sich ja gut reden.
Und es hat mich so sehr überfallen, dass ich noch auf dem Weg nach Hause das letzte Stück des Kuchens noch in die Hand nahm und aß. Was ist er denn auch so unverschämt lecker!




Bei meiner Mama zu Hause roch es dann plötzlich phänomenal gut - "Da du heute nach Hause kommst, habe ich extra etwas für dich gekocht!" Nudeln mit viel Gemüse und Hackfleisch. Die Nudeln hätte ich zwar gerne ausgetauscht, aber ansonsten war das ein sehr ansehnliches Mittagessen. Abendessen. Wie auch immer - denn zu Mittag gab es eigentlich einen Salat und Hunger hatte ich eigentlich keinen mehr. Aber Mama... Mama eben.Gäbe es da nicht noch so eine Schwester, die eine ähnliche Leidenschaft hat, was das Thema Eis angeht. Ben & Jerry's Couokie Dough. Und da war dann einfach alles vorbei. Stand der Waage: 65,5 kg






Toffifee-Eskalation - 13.04.2016



Bananen zum Frühstück sind immer eine gute Wahl. Zwar enthält diese Frucht recht viel Zucker, liefert aber in sehr gesunder Form viele wichtige Kohlenhydrate, die besonders zum Start des Tages unabdingbar sind. Des weiteren hatte mir meine Mama natürlich noch eine Tupper mit den Hackfleisch-Nudeln eingepackt und die waren verdammt lecker und ich verdammt glücklich. Naja, Nudeln also schon wieder. Was soll man machen.
Satt war ich defintiv und eigentlich hätte der Tag auch so Enden können. Gäbe es da nicht diesen einen gemeinen Automaten am Bahnhof. Nach Feierabend kriege ich nämlich regelmäßig meine Bahn nicht. Der Busfahrer ist ein überzeugter Spaßvogel - Spaß ist schön und gut, aber dass man dabei auch pünktlich sein sollte, das vergisst er öfter mal gerne. Ab sechs Minuten Verspätung weiß ich, dass mir eine Wartezeit von 40 Minuten am Bahnhof nicht erspart bleibt. So saß ich dann gestern auf der Holzbank, ziemlich traurig und resigniert. Da macht man mal wieder eine Stunde früher Feierabend und hat einfach absolut nichts davon.
Frust führt fast schon gezwungenermaßen zu Frustessen - ich hatte natürlich nichts mehr dabei, aber mit dem Bahnhofsautomaten habe ich schon öfters mal Bekanntschaft gemacht. Und da lächelten sie mich an - die Packungen mit den Oreo-Kekskrümeln. Ja, einfach nur Kekskrümel, so stand das drauf. Für 60 cent - alles, was ich an Bargeld noch dabei hatte. Läuft bei mir. Ich schmeiße das Geld rein, drücke die Zahlenkombination, warte - und es passiert nichts. Das typische Automaten-Dilemma: die Packung bleibt stecken. Jegliches wildes Hauen brachte nichts und weitere 60 cent hatte ich nicht dabei. "Herzi, ich bin so traurig." schrieb ich meinem Liebsten, mit einem angehängten Foto der Misere. "Wir haben genug Süßkram zu Hause, du wirst schon noch was finden." Und als ich dann zu Hause war ist es eskaliert - vor lauter Oreo-Trauer machte ich mir zwei Toasts mit einer dicken Schicht Cookie-Cream, aber das sah irgendwie noch nicht befriedigend genug aus. So wurde die Geburtsstunde meiner ultiamtiven Idee erkoren - Toffifee auf Cookie-Cream auf Toast. Ja, es war ungefähr so genial und ekelhaft süß, wie man sich das vorstellt.
Eine Mischung aus Glückseligkeit und Scham verbreitete sich in mir - und hält bis jetzt an. Stand der Waage: 65,5 kg



No food today, my love has gone away... - 14.04.2016

Manchmal frage ich mich ja, wie Männer es schaffen, immer so viel Essen in sich hinein zu schaufeln. Am Samstag waren wir wirklich groß einkaufen, im Kühlschrank war kaum noch Platz. Gestern abend erwischte ich nur noch die letzten zwei Scheiben Toast, aus denen ich mir mein Frühstücks-Mittagsessen-Vesper basteln durfte. Ein Sandwich mit Chili-Käse, Salat und Pute. Eins. Für den gesamten Tag. Ich bin jetzt schon am Verhungern. Mein Liebster hat mir noch ein Balisto auf mein kleines Package gelegt, was meine Stimmung natürlich aufhellte, aber es ist nun kurt nach 13 Uhr und beides ist schon verputzt und ich ahne Böses. Magenknurren und wildes Futtern, wenn ich zu Hause bin. Sport wollte ich eigentlich auch mal wieder machen, aber wer weiß, ob es mit dem Essen nicht so sehr eskalieren wird, dass sie mich nur noch als Wal zurück ins Meer schieben können.
edit 22:03 Uhr: 4-Käse-Pizza, ein Oreo-Eis und trotzdem ein halbes Kilo weniger. Stand der Waage: 65 kg.
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Was soll ich sagen. Ich bin total unvorbereitet und ohne jeglichen Plan in die Woche. Ich habe gesündigt und böse Dinge gegessen. Aber ich habe sie in Maßen gegessen und vor allem generell sehr auf meine Portionen geachtet. In einer Woche habe ich ohne großen Mehraufwand 1,5 kg verloren und das trotz eines absolut abenteuerlichen Speiseplans. Mein persönliches Fazit: alles Blödsinn. Wer mal kurz schnell zwei, drei Kilo verlieren möchte, der kriegt das auf diese Weise gut hin, aber dass das kein konkreter Ernährungsplan ist (und vor allem auch nicht sein sollte!) ist hoffentlich jedem klar. Ich finde Frauenzeitschriften immer noch doof - und halte eine ausgewogene Ernährung für das Wichtigste. Kein Verzicht, kein Hungern und doch ein respektvolles Verhalten dem eigenen Körper und vor allem der eigenen Gesundheit gegenüber. Ich kann mich nur wiederholen: love yourself! Zeit für einen Gute-Nacht-Chai.




Was Mareike in einer Woche geschafft hat?
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Nächste Woche geht es weiter mit der Kolumne - stay tuned!


Kommentare on "[Kolumne] Selbstexperiment: In einer Woche zur Bikini-Figur."
  1. You made my day!!!
    Herrlich - ich habe sehr gelacht - und fühlte mich beim Lesen irgendwie ertappt!
    So oder so ähnlich geht es mir auch meist, wenn ich mal wieder meine, abnehmen zu müssen!
    Liebe Grüße
    Anke

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    1. Ich glaube, so geht es uns allen meistens :D Bin ja schon sehr neidisch auf die, die eine bessere Disziplin haben als ich :D

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  2. Haha, das hast du wieder alles wunderbar geschrieben :D Ich liebe deine Texte. Ich habe meine Ernährung auch umgestellt und wiege jetz schon fast 4 kg weniger :)

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    1. Danke danke danke :* Wow! In welchem Zeitraum hast du das denn hinbekommen? :)

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