[Kolumne] Bodylove - den eigenen Körper lieben lernen.

on
19 März 2016



Gedankenflug - eine Kolumne, die sich mit den alltäglichen Dingen des aktuellen Lebens beschäftigt - und diese unabhängig von einander durchleuchtet und für euch auf den Punkt bringt.



Bodylove. BODY und LOVE. Zwei Worte, die für mich bis heute nicht so wirklich zusammen gehören - aber es eigentlich so sehr sollten. Als ich noch klein war, wuchs ich eigentlich noch in einer Zeit auf, in der man als Kind gerne mal aussehen durfte, wie man wollte. Natürlich, das Mobbing fängt dann auch irgendwann an, wenn man so richtig dick war oder eine neue Brille mitbrachte. Aber es hielt sich alles im Rahmen, das Aussehen spielte ewig einfach gar keine Rolle. Weder mein direktes Umfeld, noch die Gesellschaft erwartete von mir als 12-Jährige (geschweige denn früher), dass ich mich mit meinem Körper auseinander setzen muss. Ich trug pinke Radlerhosen mit blauen Unisex Shirts oder Jeanskleider mit Jeansschuhen oder lachte über meinen Speck. Meine Mama nannte das immer Mäusespeck, da ich ihr kleines Mäuschen war - welches kleine Mädchen möchte nicht das süße Mäuschen seiner Mama sein?



Erst so in der 9. Klasse fing alles langsam an mit 13 oder 14. Mit Veränderungen an meinem Körper kam ich von Anfang an klar; ich war schon sehr früh gut aufgeklärt und was das Thema angeht total abgebrüht. Ich war weder stolz, noch beschämt - Brüste kamen, ja, das ist nun mal so. In dem Alter hatte ich bereits Körbchengröße C, aber eigentlich interessierte mich das wenig. Ob nun AA oder E, Brüste sind schön, aber sie machen mich definitiv nicht aus. Genauso wenig die Form von irgendwas anderem an mir - was sollte mich das großartig bewegen? Aber wenn man irgendwann anfängt an sich selbst zu zweifeln - seiner Seele und seinem Denken - dann bröckelt diese Fassade. Und dann reichen da die drei Weiber aus deiner Klasse, die dich fragen: Sag mal, magst du mit uns zum Sport? Wir machen Bauch-Beine-Po, könnte dir nicht schaden. Dabei wog ich bei ca. 1,60m unter 50 kg und hatte eine "wirklich gute Figur".

Das war der Startschuss für eine Geschichte, die bisher noch kein Happy End gefunden hat. Ein kurzer Schmerz, der aber ganz tief saß. Seitdem bin ich schon gefühlt tausende Diäten durchlaufen. Bin dick geworden, wieder etwas dünner, dann wieder hin und wieder zurück. Mit einer permanenten Unzufriedenheit und natürlich einem immer schwächer werdendem Bindehautgewebe, was mittlerweile viele Dehnungsstreifen am Körper mit sich geführt hat. Aus diesem Grund war ich viele viele Jahre nicht mehr im Freibad oder habe mich sonst auch nicht mehr in kurzen Röcken oder Hosen gezeigt. Ich habe mein Körpergefühl irgendwo verloren - und dazu automatisch auch die Liebe zu ihm. Generell komme ich mit meinem Körper nun mittlerweile klar. Ich habe ihn so akzeptiert wie er ist, auch wenn ich ihn so immer noch nicht mag. 

Aber ich will gar nicht, dass es an dieser Stelle zu sehr um mich geht. Ich möchte damit viel eher sagen, dass ich es ganz schrecklich finde, wie andere das eigene Selbstbild so sehr und vor allem so schnell zerstören können. Früher war es noch ein dummer Spruch in der Pause, heute vielleicht irgendwelche Kommentare auf Instagram. Und man glaubt diesen Leuten, denn man sieht es ja überall, egal wo man hinschaut: schöne Menschen. Erfolgreich, schlank, mitten im Leben, wunderschön und beliebt. Dadurch, dass heutzutage auch die Kleinsten schon so unfassbar früh mit Medien in Kontakt treten, festigt sich das Bild von der vermeintlich perfekten Schönheit auch schon so wahnsinnig früh. Meine Schwester machte ihre erste Diät mit 11. Zugegeben, länger als einen Tag ging diese Diät dann auch nicht, aber schon allein diese Idee ist für mich in diesem Alter ganz arg erschreckend.

Körperliebe geht stark einher mit Selbstliebe. Wer mit sich selbst im Reinen ist - eine Seele hat, die absolut ausbalanciert ist, der wird seinen Körper auch so in Ordnung finden, wie er ist. Ich finde es ja auch wichtig, an sich zu arbeiten. Wer unzufrieden ist, der kann sich ändern. Sport machen, eine gute Ernährung, ein Frisurenwechsel, was auch immer nötig ist. Und Dinge, die man nicht verändern kann, die gehören doch auch einfach zu einem! Meine Nase zum Beispiel - sie ist verhältnismäßig groß und knubbelig und hat mich sehr lange ebenso traurig gemacht. Dafür mag ich meine Augen, sie lassen mich strahlen, und lassen meinen großen Zinken in den Hintergrund treten. Und ich lasse ihn nun auch in den Hintergrund treten - er ist da. So what? Macht mich das zu einem schlechteren Menschen? Oder senkt sie meinen IQ? Mache ich durch sie einen schlechteren Job? Nein, nein, nein. Nichts davon. Sie macht mich nicht weniger liebenswert. Mein Hüftspeck? Er nervt, ehrlich, ich passe einfach nicht mehr in alle Hosen hinein. Aber wisst ihr was ich erhalten habe, während ich diese Worte schrieb? Eine WhatsApp Nachricht meines Liebsten, einfach so. "Du bist einfach die Wunderschönste." Mir kamen die Tränen - hätte er gewusst, an was ich just in diesem Moment schrieb... das hat mich mitten ins Herz getroffen. Und ich fragte mich, wie er nur das sehen kann, was ich nicht tagtäglich sehe. 
"Denk daran, du siehst immer nur ein Abbild von dir. Ein Foto, dein Spiegelbild. Du siehst nie dich selbst, niemals in deinem Leben. Du siehst nur eine Kopie von dem, was du für wahr hältst." 

Es ist in meinen Augen Zeit für eine Revolution. Nicht 'pro curves' oder 'love your body' oder was auch immer. Man muss weder dieses oder jenes - das einzig Wichtige ist es, dass man Akzeptanz übt und sich vor allem auf das konzentriert, was man sich erarbeiten kann. Was man mit eigenen Händen erschaffen kann und womit man schon zufrieden ist. Das schlechte Wetter wird ja auch nicht besser, nur weil ich es mir schön rede - aber mir geht es besser, wenn ich mir einfach den schönstmöglichen Abend mit Kakao und Marshmallows und meiner Lieblings-DVD und meinem Liebsten im Kuschelbett mache - und das Wetter halt Wetter sein lasse.



Was Mareike zum Thema 'Bodylove' zu sagen hat?
>>KLICK<<



Diese Woche kommt die Kolumne leider einen Tag später,
da es auf meiner Seite technische Probleme gab. Nächsten
Freitag geht es aber ganz normal wie gewohnt weiter.
Habt ihr vielleicht auch Themenwünsche?
Raus damit! ;)

Kommentare on "[Kolumne] Bodylove - den eigenen Körper lieben lernen."
  1. Deine Gedanken gefallen mir sehr gut.
    Für mich sind Body und Love leider auch zwei verschiedene Welten, vor allem durch negative Anmerkungen meines Vaters früher ("Pass auf, dass du nicht noch dicker wirst.") und die Essstörung die ich seit letztem Sommer entwickelt habe...
    Im Moment kann ich mich und meinen Körper einfach nicht mehr lieben, weil er so klapperig ist und meinen Ausbildungsplatz, für den ich noch eine ärztliche Untersuchung bestehen muss, gefährdet :(
    Aber ich arbeite dran!
    Liebe Grüße

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich fühle sehr mit dir. Ich kenne das, wenn die Wurzeln für solch eine Störung schon ganz ganz früh liegen. Man kennt die Welt ohne Selbstzweifel eigentlich gar nicht und es ist so schwierig, aus diesem Teufelskreis wieder raus zu kommen :/
      Aber wir schaffen das, ich glaube an uns :)

      Löschen
  2. Ein sehr schöner Post :)
    Ich hoffe bei dir wird es bald ein Happy End geben :)
    Momentan fühle ich mich selber viel zu dick und das beeinflusst auch etwas meinen Alltag.. Nicht gut und deshalb möchte ich was dagegen tun. Bei Sachen, die ich nicht ändern konnte habe ich es geschafft mich zu akzeptieren.

    LootieLoo's plastic world

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das ist so wichtig! Akzeptanz und zwar ganz ganz viel davon!
      Vielen lieben Dank für deinen tollen Kommentar :)

      Löschen

Ich behalte mir vor unfreundliche, gemeine und einfach unangebrachte Kommentare ohne Vorwarnung zu löschen. Ansonsten ist jeder gerne willkommen, um viel Liebe in das Kommentarfeld zu schicken ;)