[Privat] Mein Jahresrückblick - Part 2: Juli bis Dezember

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04 Januar 2016


Nach einem eher betrübt endendem ersten Teil möchte ich euch den zweiten natürlich nicht vorenthalten. So here we go again, my dearest friends.



JULI


Wie immer startete der Juli mit voller Dröhnung in die Prüfungen; am ersten Donnerstag des Monats war dann auch wieder alles vorbei - wie sich aber herausstellen durfte, war 'vorbei' mehr als einfach nur ein Wort. Genau eine Woche später trafen die Prüfungsergebnisse bei mir ein. Ungelogen waren zwischen allen Noten mit einer 1 vor dem Komma (ich möchte nicht angeben, aber... doch, möchte ich; ich bin gut :D) zwei Worte, die mich tagelang nicht mehr vom Weinen abbringen konnten. "Nicht bestanden" hinter meiner Physik-Prüfung, die ich so bitter nötig bestehen musste, um meine Traum/Alptraum/werweißdasschon-Stelle bei Boss anzutreten. Mit einem Schlag wusste ich, dass das nächste halbe Jahr einfach so komplett anders werden wird, als ich es vorhatte. Plötzlich wusste ich, dass ich erstmal keine Perspektive mehr habe, kein Geld, irgendwie nicht vorran komme, alles stehen bleibt. Und das ist etwas, womit ich überhaupt nicht leben kann - Stillstand.
Irgendwann habe ich mich auch wieder etwas gefasst und versuchte dennoch, nach all dem Drama etwas durch atmen zu können. Mit meiner Schwester besuchte ich wie jedes Jahr das kuRT Festival, dieses Jahr besonders heiß begehrt von uns mit Künstlern wie Teesy, LOT oder OK Kid - das erste Konzert des Jahres und es sollte zum Glück nicht das letzte werden.
Nicht nur von meinen Zukunftsplänen musste ich mich vorerst verabschieden, auch ging eine gute Freundschaft vollständig in die Brüche - bis jetzt haben wir kein Wort mehr miteinander gesprochen und irgendwie hängt immer noch alles etwas im Raum, vielleicht hat es sich aber auch einfach für immer ausgefreundschaftet. Wer weiß das schon so genau.



AUGUST


Nachdem ich im Juli eigentlich alles verloren hatte, was ich im Leben wollte, machte ich mich an neue Aufgaben, suchte nach einem neuen Ich. Besonders im Fokus stand dabei eindeutig meine Gesundheit - ich habe mich nicht nur ganz stark auf meine Ernährung konzentriert, sondern auch noch das Rauchen aufgegeben. Von einem Tag auf den anderen schmiss ich nach acht Jahren den Glimmstängel weg und nun, nach vier Monaten, bin ich immer noch rauchfrei. Das hat bis jetzt wirklich viel an mir verändert - viel Geld und Zeit und Nerven und nicht zuletzt in die Gesundheit.
An der hat sich in diesem Monat allerdings auch unfreiwillig etwas verändert - was ich bereits in vielen Posts hier und auf Instagram angedeutet habe: ich wurde krank. Meine Haare fingen an, mir auszufallen, ich war irgendwann nur noch schlapp, konnte dennoch nicht schlafen, Herzrasen, Probleme beim Atmen, trotz meiner wirklich unfassbar gesunden Lebensweise ging es mir einfach nicht gut - aber leider hatte ich schon immer ein Laster: ich gehe nicht zum Arzt. Erst wenn ich glaube, bald müsse ich sterben. Da ich alle meine Leiden noch verkraften konnte, habe ich mich versucht irgendwie selbst zu heilen und wie immer nahm ich meine gesundheitlichen Probleme einfach irgendwann hin.
Zudem sollte es schon den Monat der Veränderungen ankündigen: mein Freund erzählte mir von seinen Plänen, nun das Elternhaus zu verlassen. Das alles nun doch anders werden sollte, das war mir nun bewusst.


SEPTEMBER


Der absolut wichtigste Monat der letzten Jahre. Ich kann euch gar nicht in Worte fassen, wie unglaublich wichtig dieser Monat für mich und meine ganz persönliche Entwicklung war. Ich habe mich mit der lieben Katharina getroffen - eine sehr liebe Leserin, die mich schon von meinen absoluten Anfängen verfolgt und ließt. Sie wollte Fotos von mir machen, da sie als Hobby gerne andere Menschen fotografiert. Mal wieder wusste ich nicht, was ich tun soll - soll ich mich nun mit einem Menschen treffen, der ein gewisses Bild von mir hat, und ihm dieses Bild komplett zerstören? Selbstzweifelgeplagt. Was mich wie geritten hat, das weiß ich immer noch nicht - aber ich sagte zu. Es war nicht nur einfach ein wundervoller Tag an dem ich einen tollen Menschen kennen lernte, nein, ich sah mich danach mit ganz anderen Augen. Ich fand mich mutig, fand diese Frau auf den Fotos stark und schön. Etwas, das ich sonst nie an mir sah. Dieses Gefühl hielt mich plötzlich über Wasser. 
Bei einem Date mit Sweetheart Julia wollte ich ein YouTube-Video drehen. Einfach so. Mitten in Stuttgart, während andere Leute stehen blieben. Es störte mich plötzlich nicht mehr. Es war mir weder peinlich, noch unangenehm. Es kamen keine stolpernden Sätze aus mir, sondern ein Redeschwall, der wohl zehn Videos auf ein Mal füllen könnte. Es war, als hätte jemand einen Knopf gedrückt.

Doch das Heftigste überhaupt sollte erst noch kommen. Da ich aufgrund meiner nicht bestandenen Prüfung nun wusste, dass ich ein halbes Jahr vor mir habe, in dem ich viel Zeit haben werde, war mir klar: ein neuer Job muss her. Bisher habe ich schon vieles gemacht - ich habe montiert, Nachhilfe gegeben, geputzt. Immer dort, wo eben nicht viele Menschen auf ein Mal etwas von mir wollten. Bei meiner Suche sah ich eine Anzeige, dass Mitarbeiter im Lager bei einem großen Kaufhaus im hohen Preissegment gesucht werden. Ich habe meine Bewerbung vom Uni-PC abgeschickt, ging zur Bushaltestelle und wollte nach Hause fahren. Da klingelte mein Handy. "Guten Tag, Frau Bachleda. Sie haben sich bei uns beworben." "Ja, das habe ich." (vor zehn Minuten, alter, vor fcking zehn Minuten!!!) "Diese Stelle ist leider schon besetzt (srsly, deswegen rufen die einen persönlich sofort an?). Aber wir suchen dringen noch Leute für den Verkauf. Sie als Studentin könnten ja auch noch bis zum Ende der Semesterferien Vollzeit arbeiten?" "Ja, natürlich." "Klasse, dann würde ich vorschlagen, Sie fangen direkt am Donnerstag an. Eine Kollegin arbeitet Sie ein." Das war es dann also. Alles andere kam per Mail, zwei Tage später stand ich dann also an der Pforte und begann ein Abenteuer, das ich nie für möglich gehalten habe. Ich, im Einzelhandel, direkter ständiger Menschenkontakt. Beschwerden, Lob, Beratung. Ich wurde so unfassbar ins kalte Wasser geschmissen mit allen Ängsten, die mich seit jeher eingeschränkt haben und musste dann genau das beruflich machen. In den ersten zwei Tagen bin ich vor den Menschen halbwegs weg gelaufen - ich wusste, dass ich mir das noch erlauben konnte, immerhin war mein Namensschild noch nicht fertig und niemand konnte sehen, dass ich sehr wohl darauf angesprochen werden kann, ob es das Kaninchenpelz noch in einer anderen Farbe gibt. Doch dann wurde es ernst - und ich plötzlich fähig. Nach und nach verkaufte ich den Leuten Dinge, für die sie gar nicht gekommen waren. Ich unterhielt mich mit ihnen. Lachte nach dummen Menschen mit meinen Kollegen darüber und weinte mir nicht die Augen darüber aus, was die Kunden nun über mich denken. 
In dieser Zeit habe ich so sehr zu mir gefunden, wie noch nie zuvor und es war der wichtigste Schritt in meinem Leben seit langem.


OKTOBER


Es wurde ernst - aus den Plänen meines Freundes wurde Realität. Die perfekte Wohnung für seine Männer-WG wurde schnell gefunden und auch ich durfte den ganzen Trubel voll miterleben. Möbelhäuser, viele Diskussionen und natürlich auch hier einige Zweifel an der Zukunft. Wo bleibe ich, ja, wo bleiben wir bei all dem? Wenn drei beste Freunde zusammen ziehen, obwohl man schon seit über sechs Jahren zusammen ist - das wirft Fragen auf. Aber das war alles genau richtig so, das wusste ich. Da ich meinen Job nicht antreten konnte, hatte ich kein festes Einkommen. Er musste noch durch so vieles durch, was das selbstständige Leben angeht. Und so waren wir an einem Punkt, wo genau diese Lösung die beste war, auch wenn meine Emotionen das so noch nicht zu ließen.
Das Semester fing auch wieder an und ich freute mich, meine Mädels wieder zu sehen. Mir war nur klar, dass nichts mehr werden sollte, wie es mal war. Ich musste ja nur noch ein Mal die Woche antanzen, die Mädels hatten ihre eigenen Vorlesungs-Zufallspläne aufgrund anderer Prüfungen und irgendwie verlief alles ganz seltsam. Und doch war jeder gemeinsam getrunkene Tee oder die geschlürfte Suppe in der Mensa wunderschön.

Nichtsdestotrotz wusste ich, ich musste mich auch nun wieder darum kümmern, neue Bewerbungen zu schreiben. Nichts bleibt für immer und das ist auch gut so.
Beautytechnisch war der Oktober definitiv der Monat des Zeitschriftenwahnsinns. Eine Frauenzeitschrift nach der anderen haute die genialsten Extras überhaupt raus. Zunächst konnte ich mich noch zurück halten, aber dann überkam es mich doch - neben dem Sally Hansen Lack durfte natürlich auch der Chanel Lippenstift bei mir einziehen und... noch irgendwas, an das ich mich nicht einmal mehr erinnern kann.
Unbedingt erwähnen muss ich noch hier meinen Abend mit meinem best Buddy Heppy, an dem wir bei Weekend auf dem Konzert für lau abspacken konnten - unendlich viel love!


NOVEMBER


Im November überrollten mich die Bloganfragen teilweise etwas und gleichzeitig verwunderten mich diese besonders stark, da ich mein kleines Baby hier habe fast schon einschlafen lassen. Viele wunderschöne Päckchen trudelten bei mir ein, die aber leider zum Teil immer noch auf eine würdige Review warten.
Das WG Leben war schon im vollen Gange und alle meine Sorgen waren unbegründet - ich gehöre eigentlich als vollständiges Mitglied dazu. Wie eine kleine Familie, mit viel Liebe - egal ob bei allen, aber eben nur ganz alleine mit dem Herzmann. So bin ich eigentlich mittlerweile mehr als die Hälfte der Zeit dort und irgendwie ist es nicht mehr "sein" Zimmer, sondern "unser" Zimmer mit Flokati und Kerzen und den dazu passenden Kerzenhaltern in Bronze. Nicht zu verschweigen ist  natürlich auch meine komplett pinke Ecke im Badezimmer, die aber absolut stillschweigend so angenommen wurde.
Der wichtigste Punkt des Monats war aber wieder meine Gesundheit. Nachdem ich die letzten Monate meine gesundheitlichen Probleme einfach hinnahm, so hatte ich an einem Donnerstagmorgen ein Erlebnis, das alles veränderte. Ich war auf dem Weg zur Uni, saß schon im Bus nach Reutlingen und konnte plötzlich kaum noch atmen. Mir war ganz schwindelig, fast schwarz vor Augen und ich wusste einfach nicht mehr, wie mir geschah. Als ich aus dem Bus ausstieg, rief ich beim Arzt an und machte einen Termin für den nächsten Tag aus - und ich muss das letzte Mal 2009 beim Arzt gewesen sein, aus Angst. Wieder war es Angst, die mich eben doch dort auftauchen ließ - diesmal Angst um mein Leben. "Doktor, bitte, ich vertraue Ihnen noch nicht. Helfen Sie mir, dass ich es kann." Es stellte sich letztendlich heraus, dass ich ein Herzleiden habe und meine Schilddrüse eine absolut starke Abnormalität anzeigt. Ich möchte nicht näher ins Detail gehen, aber geheilt werden kann ich nicht - ich bin nun eine kleine, wandelnde Apotheke. Aber mir geht es wieder gut.


DEZEMBER


Mein drittes Bloggerevent sollte folgen und es war einfach ein ganz anderes Erlebnis - ich konnte mich so richtig darauf freuen. Einfach nur gespannt sein, was da noch auf mich zukommen sollte. Und so wurde es zu einem wundervollen Tag, den ich euch bereits hier zusammen gefasst habe. Es ist so unglaublich anders, wenn man sich frei fühlen kann - wenn man ALLES frei fühlen kann.
Das mitunter wichtigste Ereignis war mein wieder unterschriebener Vertrag bei Hugo Boss; nun endlich als Traumjob, ohne Sorgen und Versagensängsten.
Das Weihnachtsfest war wie immer perfekt unperfekt mit einem endlich erfüllten Traum von einer Daniel Wellington Uhr, die ich von meiner Mama bekam. Allgemein bekam ich nur Geschenke, die wahnsinnig von Herzen kamen und eben dieses auch so sehr berührten. Der letzte Dezembertag war zudem ein Tag, den ich so nie vergessen werde. Er war so simpel und doch so richtig und wichtig. Von gemeinsamen einkaufen über gemeinsames kochen zum Tiramisu in Handarbeit (ohne Rührgerät!), Hello Kitty Senkt, zu zweit einhändig CS zocken ("Lisch, mach mal einen Stream auf."), Feueralarm, nachdem ich ungelogen zwei Sekunden zuvor noch sage: "War es so schlau, das Teil unter dem Rauchmelder aufzubauen?" Freundschaft und Liebe.


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Dieses Jahr war ein wirklich nötiges Jahr. Nichts passiert ohne Grund, wie man es so schön sagt. Es musste einfach etwas schief gehen, damit endlich so vieles richtig läuft. Mein kleines Leben hat sich verändert. Ich habe mich verändert - ich bin mehr zu dem geworden, was ich eigentlich schon immer war. Zu guter letzt möchte ich noch auf einen Menschen eingehen, den ich hier noch gar nicht erwähnt habe. Alle haben sie mein Leben bereichert, meine Familien, mein Herzmann, alle Freunde und natürlich auch ihr hier oder auf Instagram. Aber eine im wahrsten Sinne des Wortes kleine Konstante blieb das ganze Jahr an meiner Seite und das ist Vanna. Mit ihr hat dieses Experiment auf diesem Blog mal gestartet - wer es nicht mehr weiß oder viel später dazu gekommen ist: eigentlich waren wir hier mal zu zweit. 2013 eröffnete 'The seriousness of red lipstick' seine Pforten als Duo - ich und Vanna, die damals nicht mehr als eine Leserin meines ehemaligen Blogs war. Irgendwann mussten sich unsere Blogwege trennen - es passte einfach nicht. Blogtechnisch. Menschlich sah das ganz anders aus. Sie ist nun zu einem der wichtigsten Menschen in meinem Leben geworden. Ich liebe sie unendlich und weiß nicht, was ich ohne sie an meiner Seite machen würde. Sie unterstützt mich, bringt mich zum Lachen und manchmal auch zum Weinen. Mit ihr habe ich das schönste Konzert des Jahres erlebt und Jamie Lawson und Lee MacDougall aus nächster Nähe angeschmachtet. Ich weiß nicht, wie in so einen kleinen Menschen so viel Herz passen kann. Danke, dass auch du dieses Jahr zu einem der schönsten gemacht hast.





Kommentare on "[Privat] Mein Jahresrückblick - Part 2: Juli bis Dezember"
  1. sehr sehr schöner Jahresrückblick. Tut mir leid, dass du erkrankt bist. Ich wünsch dir nur das beste :) Und natürlich viel Glück beim Studium. Diesmal klappt es bestimmt!

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    1. Vielen vielen lieben Dank, werte Susanne :) Das hoffe ich auch und ja, das glaube ich sogar auch! :)

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  2. Toller Post! Ich habe schon Teil 1 gespannt gelesen und habe mich daher besonders auf den zweiten Teil gefreut.
    Dass mit deiner Physik-Prüfung tut mir unheimlich leid! Ich kann genau nachempfinden, wie du dich gefühlt hast.
    Im Laufe der Jahre sind auch einige meiner Freundschaften kaputt gegangen. Aber für mich war das immer ok. Ich habe zumindest versucht, dass Gute darin zu sehen. Leute kommen und gehen im Laufe eines Lebens. Das ist ok. Und manchmal muss man sich von bestimmten Freundschaften lösen, damit man zu sich selbst finden kann. Sei also nicht traurig, dass die Freundschaft kaputt gegangen ist. =/

    Und gesundheitlich wünsche ich dir für 2016 alles alles Liebe. Es kann (hoffentlich) nur besser werden =/

    Liebe Grüße
    Mareike von mareikeunfabulous.de

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    1. Du sagst es, es kann fast nur besser werden. Auch wenn eigentlich alles zusammen gar nicht so schlecht war... :)

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  3. Was ein schöner Post :) Habe den ersten ja auch gelesen und schon auf den zweiten gewartet. Ich wünsche dir gesundheitlich für dieses Jahr alles Gute <3

    Für mich hat sich im letzten Jahr auch einiges geändert, weswegen ich an meinem Blog nichts mehr getan habe.. Aber das möchte ich, trotz meiner wenigen Zeit ändern.

    Liebe Grüße
    Steffi

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  4. Was ein schöner Post :) Habe den ersten ja auch gelesen und schon auf den zweiten gewartet. Ich wünsche dir gesundheitlich für dieses Jahr alles Gute <3

    Für mich hat sich im letzten Jahr auch einiges geändert, weswegen ich an meinem Blog nichts mehr getan habe.. Aber das möchte ich, trotz meiner wenigen Zeit ändern.

    Liebe Grüße
    Steffi

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