Themenwoche "Schulabschluss... und nun?" - Part I: Was nach dem Abitur so alles schief ging.

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15 Oktober 2013



Heute kann ich euch endlich den abschließenden Post (Part I) zu meiner Blog-Themenwoche "Schulabschluss... und nun?" zeigen.


Meine Berufsziele haben sich seit ich klein war immer und immer wieder geändert - mein erster Berufswunsch war Astronautin, irgendwann ersetzt durch Archäologin, bis dann in der frühen Pubertät die typischen Berufswünsche wie Sängerin oder Schauspielerin dazu kamen... doch spätestens in der 10. Klasse stand für mich fest: Ich möchte etwas Kreatives machen! Ich will meine Künstlerseele durch und durch ausleben!
Kurz vor meinem Abitur 2011 wollte ich mich also an allen möglichen Kunsthochschulen in der Umgebung bewerben - mir war es nämlich auch immer sehr wichtig, nicht weit weg von zu Hause zu müssen. Wäre es nicht anders gegangen, dann müsste ich wohl - aber mein Ziel war es, in der Nähe meiner Familie, meines Freundes und natürlich meiner Freunde zu bleiben und nicht aus meinem schönen Baden-Württemberg raus zu müssen. Als ich mich dann an die Bewerbungen für die Kunsthochschulen machte, stand ich aber vor einem großen Problem. In der Schule wurde uns immer von einer Bewerbungsfrist vom "15.07." erzählt und ich habe mich absolut auf diese Information verlassen... blöderweise verläuft die Mappenbewerbung (an Kunsthochschulen muss man sich zunächst mit einer Mappen mit Zeichnungen/Fotos/Malereien...) weitaus früher. Ich hatte alle Termine verpasst und stand plötzlich ohne irgendwas da... Da ich mich wahnsinnig auf diesen Weg festgesetzt habe, war für mich klar, dass ich nun eben ein halbes Jahr jobbe, um mich dann wieder im Sommersemester 2012 neu und rechtzeitig bewerben zu können.

Schnell fand ich einen Job in einer Pizzeria als Küchenhilfe und so sah dann mein Alltag auch aus... am Wochenende war ich stets fest eingeplant und während der Woche wurde ich je nach Bedarf eingesetzt... ihr könnt euch sicherlich vorstellen, dass ich keinen richtigen Alltag hatte. Nichts Geregeltes. Und irgendwann macht mich das ziemlich fertig - alle meine Freunde studierten längst, mein Freund studierte Jura und ich fühlte mich dabei wie so ein armes, kleines Würmchen, das nichts auf die Reihe bekommen hat. Als dann aber die Bewerbungen für das neue Semester möglich waren, schöpfte ich wieder Mut; welcher aber sehr schnell wieder zerschlagen wurde. Es hagelte Absagen über Absagen und ich verstand einfach nicht wieso... bis dann endlich eine Zusage von einer privaten Kunsthochschule kam.Natürlich hatte ich einerseits Zweifel; meine Mutter konnte mir die monatlichen Gebühren und die zusätzlichen Fahrtkosten nicht zahlen und das wollte ich auch gar nicht. So sah mein Plan vor - ich studiere einfach während der Woche, am Wochenende bleibe ich in der Pizzeria und dann klappt das alles. Ich kriege das hin. Immerhin investiert man gerne in die Zukunft, wenn man sich Großes davon verspricht.


Abiturzeugnisübergabe - Honigkuchenpferdstrahlen! :)

Und das tat ich; ich hatte riesige, tolle Hoffnungen und Erwartungen. Wenn man so viel jeden Monat zahlt, dann hofft man auch, eine tolle Ausbildung zu erhalten und anfangs sah auch alles danach aus. Ich erinnere mich noch ganz genau an meinen ersten Tag - ich bin an die FH gefahren und war erstmal total verunsichert, ob ich überhaupt richtig bin. Man erwartet doch auch viele Studenten und ein bisschen Leben und wenigstens eine Art Campus... und da war nichts. Außer einem Zettel an einem Gebäude "Kunsthochschule" (ich werde hier nicht öffentlich über den Namen oder Standort der Schule schreiben). Wow. Okay. Das ist es also. Ich folgte den Zetteln im Gebäude und kam in eine Halle, in der bereits zwei Leute standen. Gut, immerhin bin ich eine Stunde zu früh da, alles noch normal. Nach und nach trafen noch mehr Leute ein - jedoch waren das alles Dozenten... ich kam ins Gespräch mit den anderen zwei Studenten und wir "alle" fragten uns, wieso da keiner mehr ist. Um 14 Uhr fing dann der Leiter an, uns zu begrüßen. Acht Dozenten und drei Studenten. Wir alle sollten uns doch duzen, das wäre doch viel entspannter. Okay. Und das waren wir dann, drei Studenten, die im Bereich der "Medienkunst" studieren sollten. Ja gut, das hatte ich mir wirklich anders vorgestellt. Im Laufe des Semesters kam es dann oft zu Einzelunterricht; war der eine krank und der andere verhindert, dann saß man eben ganz alleine mit dem Dozenten da. Es war seltsam, aber ich redete mir ein, es sei eigentlich purer Luxus, so einen Einzelunterricht zu erhalten. Wäre da nicht das Problem, dass man... naja, irgendwie nicht wirklich etwas gelernt hat. 

Oft sah das ganze mehr nach "Macht mal einfach was!" aus und "Wenn du keine Kamera hast, dann haste Pech gehabt!" aus - irgendwie erwartet man doch, dass eine (private!) Kunsthochschule auch ein gewisses Equipment besitzt, mit dem man arbeiten könnte und man sich nicht auch noch zusätzlich diverse sehr teure Sachen selbst holen müsste. Zudem hatte fast keiner der Dozenten eine Qualifizierung zum Lehren - fast jedes Mal flossen viele private Elemente in den Unterricht ein, was für mich total fehl am Platz war. Dass in einem Arbeitsumfeld von drei Personen eine gewisse Intimität entsteht ist ganz normal, aber wenn der Dozent dann direkt seine Beziehungsprobleme mit der Freundin an dir raus lässt oder sich wegen seiner finanziellen Krise bei dir ausheult, statt dir als Lehrkörper etwas beizubringen, dann geht das doch ein Stück zu weit. Ja, wofür arbeite ich denn das komplette Wochenende durch, bezahle so einen Haufen Geld, habe sonst für nichts anderes etwas übrig - weder Kohle noch Zeit - um dann nichts Produktives zurück zu erhalten?

Doch ich hielt weiterhin an meinem Plan fest - für irgendwas musste das alles doch gut sein! Als wir dann aber am Anfang des zweiten Semesters zu hören bekamen (von einem Dozenten!): " Ja, eigentlich müsstet ihr hier auch gar nicht studieren. Ihr kriegt sowieso nur ein Zertifikat, das euch später nichts bringt." Scheint als sei das doch alles sinnlos - und ich entschied mich, dass ich diese Schule einfach verlassen muss, da sie einfach weder die Zeit, das Geld oder die Energie wert war. Außerdem hatte ich mich so sehr auf viele neue Leute gefreut, Studentenparties, gemeinsames lernen, Angst vor den Prüfungen, Campusleben... darauf hätte ich nur gern verzichtet, wenn denn der Rest gestimmt hätte - hat er aber nicht. Das Sommersemester 2013 rückte näher und ich meldete mich ab - und schickte nun Bewerbungen an alle Hochschulen in der Umgebung und sogar außerhalb herum. Ich hatte wahnsinnige Angst, nun wieder ohne nichts dazu stehen...


Part II "Wie ich doch mein Glück fand" gibt es dann heute Abend - hoffentlich war es bis jetzt auch schon interessant genug für euch ;)




//edit: ja, ich habe viele Fehler gemacht - es gibt nichts Blöderes, als sich nicht selbst rechtzeitig zu informieren. Die Erzählungen von diesen Fehlern sollen viel mehr denjenigen helfen, die ähnliches erlebt haben oder erleben - wie es eben trotz dieser Fehler noch wundervoll weiter gehen kann! Das aber wie schon gesagt in Part II.

Kommentare on "Themenwoche "Schulabschluss... und nun?" - Part I: Was nach dem Abitur so alles schief ging."
  1. Da bin ich aber mal gespannt, wie es weiter geht.
    Du machst ja Sachen mit. Schön, wenn man erst später gesagt bekommt, das das Ganze eigentlich unnötig ist.
    Ich hoffe du hast jetzt was gefunden, was dir Spaß macht und vorallem etwas bringt. :)

    liebste Grüße
    http://read-all-aboutit.blogspot.de/

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  2. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  3. Puh, das hört sich wirklich furchtbar an. :/ So "privat" wäre das absolut nichts für mich. Und dann noch so viel geld zahlen, ohje... Ich finde es gut, dass ich jetzt an einer Uni bin, wo alles viel anonymer abläuft und ich wirklich jede Menge Kommilitonen habe. :D Hast du dann ein ganzes jahr ausgehalten oder wie?

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    1. Ja, zwei Semester lang war ich dort, wobei ich eigentlich schon Anfang des zweiten Semesters wusste, dass ich da nicht mehr bleiben werde. Hab echt ziemlich viel falsch gemacht, bevor ich da ankam, wo ich jetzt bin :D

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  4. Man jetzt bin ich aber echt gespannt auf Part 2. Ich ziehe meinen Hut vor dir, dass du trotz Allem an deinem Ziel festgehalten hast.

    Liebe Grüße, Bianca

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